Bilanz 2005
Bahn fühlt sich reif für die Börse

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn konnte am Freitagmorgen das nach seinen Worten beste Ergebnis in der zwölfjährigen Geschichte der Deutsche Bahn AG vermelden. Mit den guten Zahlen im Rücken will er seine Vorstellung vom Börsengang durchdrücken.

HB BERLIN. Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr ein Betriebsergebnis nach Zinsen von 448 Mill. Euro erwirtschaftet, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz in Berlin. Im Vorjahr waren es erst 253 Mill. Euro gewesen. Die selbstgesteckten Ziele seien um 12 Prozent übertroffen worden. Unter dem Strich stand im Konzern ein Überschuss von 611 Mill. Euro nach 180 Mill. Euro im Vorjahr. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) war um 18,2 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro gestiegen, der Umsatz um rund 5 Prozent auf 25 Mrd. Euro. „Damit sind wir voll auf Kurs in Richtung Kapitalmarkt“, sagte Mehdorn. Die Bahn benötige „in Zeiten leerer öffentlicher Kassen den Zugang zum internationalen Kapitalmarkt“.

Das Ergebnis hat dieses Jahr eine besondere Bedeutung, da Bundestag und Bundesregierung 2006 über Form und Zeitpunkt des Börsengangs entscheiden wollen. Mehdorn will die Bahn in jetziger Form – also mit Schienennetz – privatisieren. Mehdorn nennt dies ein erfolgreiches Modell. Im Bundestag gibt es aber starke Stimmen, die das Netz abtrennen wollen, um so mehr Wettbewerb auf der Schiene zu ermöglichen. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Horst Friedrich, hatte schon am Donnerstag kritisierte, die Erfüllung der Gewinnziele beruhe allein darauf, dass Planwerte massiv nach unten korrigiert worden seien.

Für sich betrachtet sieht die Bilanz jedoch im Vergleich mit dem Vorjahr hervorragend aus: Der Fernverkehr – lange Zeit tief in den roten Zahlen – kehrte 2005 und damit 2 Jahre früher als geplant zurück in die schwarzen Zahlen. Unter anderem wegen der hohen Benzinpreise nutzten mehr Menschen die Fernzüge. Der operative Gewinn lag bei 50 Mill. Euro nach einem Minus von 331 Mill. Euro in 2004; unterm Strich gab es ein kleines Plus nach einem Verlust von 260 Mill. Euro. Die Verkehrsleistung im Personenverkehr wuchs um 3,5 Prozent auf 75,5 Mrd. Personenkilometer. Der Güterverkehr legte um 5 Prozent auf 90,7 Mrd. Tonnenkilometer zu.

Auch die übrigen Geschäftsfelder wie die Logistik haben fast durchweg Zuwachs verzeichnet: Bei der Logistik sei die Bahn mittlerweile weltweit die Nummer zwei nach der Deutschen Post, sagte Mehdorn. Im vergangenen Jahr hatte die Bahn den US-amerikanischen Logistikdienstleister Bax Global übernommen. Mehdorn erklärte, der Konzern werde im Logistikbereich künftig stärker wachsen als auf der Schiene, aber nur so sei es möglich, auch die Schiene weiter zu entwickeln.

Der positive Trend aus 2005 setze sich auch in diesem Jahr fort, erklärte Mehdorn. Das Betriebsergebnis (Ebit) solle 15 bis 20 Prozent gesteigert werden, der Umsatz auf 28 Mrd. Euro steigen. Darin ist allerdings der Kauf der US-Spedition Bax Global enthalten. In den ersten beiden Monaten diesen Jahres liege der Konzern bereits besser als im Vorjahr und besser als der Plan. Mehr Verkehr erwartet sich die Bahn durch den neuen Berliner Hauptbahnhof und vor allem durch die Fußball-Weltmeisterschaft.

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