Bilanzexperte warnt vor Imageschaden
Richter erklären Metro-Wirtschaftsprüfer für befangen

Dem Jahresabschluss 2003 des Düsseldorfer Metro-Konzerns fehlt die Bestätigung eines wirksam bestellten Wirtschaftsprüfers. Zu diesem Urteil kommt das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf, dessen Begründung dem Handelsblatt vorliegt. Eine Revision des Urteils, das vorläufig vollstreckbar ist, ließ das OLG nicht zu.

DÜSSELDORF. Nicht nur der Abschluss von 2003, sondern auch der von 2002 hätte von einem anderen Prüfer testiert werden müssen, heißt es in dem Urteil. Mit ihrer Entscheidung gaben die Richter dem ehemaligen Spitzenmanager Hannjörg Hereth Recht. Der streitbare Metro-Aktionär, der bis 1994 selbst an der Konzernspitze tätig war, hatte nach der Hauptversammlung 2003 gegen die Bestellung von Fasselt & Partner geklagt. Gestützt hatte sich Hereth dabei auf das Handelsgesetzbuch (HGB, Paragraf 319) und das im Kontroll- und Transparenzgesetz verankerte Rotationsprinzip. Nach dieser Vorschrift darf kein Prüfer beschäftigt werden, wenn er bereits in den zehn Jahren zuvor mehr als sechsmal Jahres- oder Konzernabschlüsse der betreffenden Kapitalgesellschaft bestätigt hat.

Dagegen, urteilten die Richter, habe der Düsseldorfer Dax-Konzern verstoßen. Die Gesellschaft Fasselt & Partner hätte 2003 nicht mehr mit der Prüfung beauftragt werden dürfen, denn schon bis 2002 habe deren Wirtschaftsexperte Horst Herrmann „mindestens sieben Bestätigungsvermerke“ für den Handelskonzern erteilt. Damit sei die „Besorgnis der Befangenheit“ auch gegenüber der gesamten Wirtschaftsprüfgesellschaft begründet gewesen. Was die Richter anders sahen als die Metro: Auch die Prüfungen der Metro-Vorgängergesellschaft Asko, die in den Jahren 1992 bis 1995 Herrmanns Unterschrift trugen, hätten mitgezählt werden müssen.

„Der Abschluss 2002 ist damit nicht endgültig“, kommentierte Hereth das OLG-Urteil gegenüber dem Handelsblatt. Auch die Prüfungen für die Folgejahre müssten womöglich wiederholt werden – diesmal durch andere Prüfungsgesellschaften. Dabei hofft Hereth, dass insbesondere der Ende 2002 abgeschlossene Verkauf der Minderheitsbeteiligung Divaco erneut durchleuchtet wird. In diesem Gemeinschaftsunternehmen mit der Deutschen Bank hatte die Metro mehrere Tochtergesellschaften gebündelt, ohne sie in der Konzernbilanz zu konsolidieren. „Da sind Milliardenwerte entfernt worden“, glaubt Hereth. Beweise für seinen Verdacht lieferte er bislang freilich nicht.

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