Biografie
Das geheime Leid der Madeleine Schickedanz

Madeleine Schickedanz musste hilflos das Ende des Konzerns mit ansehen, den ihre Eltern aufgebaut haben, dem sie ihr Leben gewidmet haben und dem sie ihren Wohlstand verdankt.
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DüsseldorfEs ist ein kalter Herbstmorgen, der 20. Oktober 2009. Madeleine Schickedanz hat heute nicht 65. Geburtstag, doch nach Feiern ist ihr nicht zumute. Sie liegt im Krankenhaus. Am Abend zuvor hatte Quelle bekannt gegeben, dass es für das einstmals größte Versandhaus der Welt keine Zukunft gibt. Der Mutterkonzern Arcandor hatte bereits im Juni die Insolvenz angekündigt. Die größte Pleite, die es je in Deutschland gegeben hat. Fast auf den Tag genau nach 82 Jahren ist nun auch Quelle am Ende. Das Unternehmen, das ihre Eltern Gustav und Grete Schickedanz aufgebaut hatten.

Die Nürnberger Journalistin Anja Kummerow beschreibt in ihrem Buch "Madeleine Schickedanz. Vom Untergang einer deutschen Familie und des Quelle-Imperiums", wie es dazu kommen konnte und was Madeleine Schickedanz für ein Mensch ist. Die Biografie über diese Frau ist vor allem auf den ersten Seiten sehr einfühlsam und präzise geschrieben.

Und sie fängt hinten an, am Ende Quelles. Drei Milliarden Euro war Aktienpaket mal wert, das Madeleine Schickedanz an Arcandor hielt, im Oktober 2009 nur noch 27 Millioen Euro. Obwohl die Quelle-Mutter Arcandor nicht mehr zu retten war, kaufte Madeleine Anteile in Millionenhöhe dazu. Sie verpfändete geliebte Immobilien mit großer familiärer Bedeutung und musste mitansehen, wie diese am Ende verhökert wurden.

Madeleine Schickedanz zeigte Loyalität und Treue im Stile ihrer Mutter, als persönlich haftende Gesellschafterin, auch wenn sie dies auf dem Papier nicht war. Als sie sich nach ihrem Krankenhausaufenthalt im Oktober 2009 wieder erholt hatte, floh sie nach Chile. Hier auf dem alten Besitztum konnte sie "auf dem Rücken der Pferde sie selbst sein".

Erst neun Monate später wirkte Madeleine Schickedanz wieder "befreit" und ging medial in die Offensive. In einem viel beachteten Interview gab Madeleine Schickedanz an, von 500 bis 600 Euro monatlich zu leben. Abgesehen davon, dass damit in Wirklichkeit nur Lebensmittel gemeint waren, wurde sie auch von Quelle-Mitarbeitern für den Ausspruch mit Häme überschüttet. Wütende Angestellte stellte im Bürogebäude eine Box mit der Inschrift "Mitarbeiter sammeln für ihre Chefin" auf.

Anja Kummerow geht da nachsichtiger mit Madeleine Schickedanz ins Gericht. Detailgetreu wird ihr Auftreten in Nürnberg und Fürth beschrieben, als "edel und teuer, von Protz dabei keine Spur". Einkaufen in feinsten Geschäften war eine ihrer Leidenschaften. Allerdings seien die Besuche seit den Schwierigkeiten Arcandors deutlich seltener geworden. Ihr Händedruck ist "zierlich" und "kaum spürbar". Der Friseur erzählt nur Gutes. Auf dem Golfplatz war sie gern gesehen, ihr Handicap soll bei 16 liegen.

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