Brisante Vorwürfe
Edeka soll Mitarbeiter bespitzelt haben

Nach Lidl droht nun auch der Handelskette Edeka ein Spitzelskandal. Das Magazin "Focus berichtet, Edeka habe seine Mitarbeiter von Privatdetektiven überprüfen lassen. Das Unternehmen kündigte eine schnelle Prüfung der Vorwürfe an, die Gewerkschaft Verdi droht mit einer Anzeige.
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HB FRANKFURT/MAIN. Ein Unternehmen der Handelskette Edeka hat nach einem Bericht des Magazins "Focus" Mitarbeiter mit Hilfe von Privatdetektiven ausspähen lassen. Betroffen sind Märkte der Marke Edeka-Simmel, heißt es in dem Bericht. Detektive sollen demnach Hausbesuche bei krankgemeldeten Mitarbeitern gemacht und Privatautos der Angestellten durchsucht haben.

Simmel wies die Vorwürfe am Montag zurück. Das Unternehmen werde in ein falsches Licht gerückt, sagte Firmenchef Peter Simmel, der auch Edeka-Aufsichtsratsvorsitzender ist. Das Unternehmen räumte ein, es seien zum Schutz vor Diebstahl zwei Detekteien beauftragt worden. Über die Kontrollen seien die Mitarbeiter informiert worden. Es sei jetzt zu prüfen, inwiefern die Detekteien ihrem Auftrag gerecht wurden oder darüber hinaus ohne Absprache selbstständig tätig wurden.

Der "Focus" beruft sich in dem Bericht auf interne Geschäftspapiere. Aus Verträgen und einer Arbeitsanweisung vom 9. Januar 2009 gehe hervor, dass die beauftragten Detektive pro Woche 20 Wagen kontrollierten. "Wenn Mitarbeiter sich weigern, den Wagen zu öffnen, drohen wir damit, die Polizei zu rufen und verweisen darauf, dass dieses sicherlich arbeitsrechtliche Konsequenzen haben werde", zitierte das Blatt einen Detektiv.

Firmenchef Simmel wies dem Bericht zufolge die Vorwürfe zurück. Nur in einem einzigen Fall habe es eine Wagenkontrolle gegeben. Bei der Simmel AG in Chemnitz war am Sonntag für Nachfragen der Nachrichtenagentur AP niemand erreichbar.

Die Gewerkschaft Verdi will nach eigener Aussage auf die Vorgänge reagieren. "Wir werden Anzeige erstatten und den Vorgang an die Prüfbehörden weiterleiten", sagte der bayerische Verdi-Funktionär Hubert Thiermeyer dem Bericht zufolge.

Die ersten Simmel-Märkte wurden laut Unternehmen 1990 in Sachsen gegründet. Mit Stand 2008 betrieb Simmel 32 Märkte in Sachsen, Bayern sowie Thüringen und beschäftigte 1 000 Mitarbeiter. Der Umsatz betrug 106 Mio. Euro. Die Edeka-Gruppe erwartet in diesem Jahr einen Umsatz von 43 Mrd. Euro und ist mit mehr als 12 000 Märkten Deutschlands größter Lebensmittelhändler. Zu der Gruppe gehören auch 4 500 selbstständige Kaufleute wie Simmel.

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  • bei Simmel ist mir bislang immer das kompetente und hilfsbereite Personal aufgefallen, das sich wohltuend von dem anderer Discounter abhebt. Das Wachstum der Simmel-Gruppe ist auch nicht vom Himmel gefallen. Diese Leistung hat Herr Simmel nur gemeinsam mit seiner m.E. hochmotivierten Mannschaft bringen können. Er müsste mit dem Klammerbeutel gepudert worden sein, wenn er die ihm vorgeworfenen Machenschaften unterstützt hätte. Es kann sich m.E. nur um Einzelfälle gehandelt haben.

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