Britischem Eigentümer des Warenhauskonzerns droht das Aus
Hertie hängt in der Luft

Die Essener Hertie GmbH droht in den Strudel des ums Überleben kämpfenden britischen Eigentümers Dawnay Day gezogen zu werden. Die 4 100 Mitarbeiter der Warenhauskette sind am vergangenen Donnerstag offenbar offiziell über die Schieflage des Londoner Finanzinvestors informiert worden. Da Hertie mit seinen 74 Filialen oft noch als zentraler Einkaufspunkt gilt, geht in vielen deutschen Städten die Sorge um.

LONDON/DÜSSELDORF. "Wenn es zu einem Kollaps von Dawnay Day kommt, wird es für Hertie eng", sagt ein früherer Hertie-Spitzenmanager dem Handelsblatt. Die Briten seien dann ja nicht mehr in der Lage, die verlustreiche deutsche Beteiligung weiter zu stützen.

So wiesen die Essener 2006 einen Fehlbetrag von 33 Mill. Euro aus - bei einem Eigenkapital von nicht einmal mehr als zehn Mill. Euro. Im darauffolgenden Geschäftsjahr habe Hertie erneut ein Minus von 30 Mill. Euro abgeliefert, heißt es in Branchenkreisen, und das bei sinkenden Umsätzen, die nach Informationen von Creditreform um 5,2 Prozent auf 540 Mill. Euro zurückgegangen sind. Hertie wollte sich zu diesen Zahlen nicht äußern und erklärte, doch auf die Veröffentlichung des Jahresabschlusses zu warten.

Vor dem Hintergrund der Schwierigkeiten bei Dawnay Day bezeichneten inzwischen selbst Lieferanten Herties Zukunft als "ungewiss". Der Bielefelder Modegroßhändler Katag liefert nur noch gegen Bankgarantie Ware an Hertie aus. Und der Lebensmittelgroßhändler Lekkerland berichtet, der Kreditversicherer Euler-Hermes gewähre ab dem 1. August keine Ausfallgarantien mehr für Hertie-Lieferungen. Ein westdeutscher Unternehmer erklärt sogar, ihm sei Hertie zum Kauf offeriert worden. Auch von einem internationalen Makler ist zu hören, Hertie gehöre zu den deutschen Kaufhausketten, die gerade im Markt angeboten würden. Weder bei Dawnay Day noch bei Hertie, noch im Aufsichtsrat war eine Stellungnahme zu erhalten. Hertie-Aufseherin Andrea Beyer sagte nur: "Kein Kommentar."

Die Krise um Hertie trifft nicht nur den Konzern selbst. Auch in deutschen Städten wie Mettmann, Cuxhaven oder Aschaffenburg geht die Sorge um. Gerade in Kommunen mittlerer Größe gilt Hertie mit seinen 74 Filialen oft noch als zentraler Einkaufspunkt. Gingen da die Lichter aus, drohte auch benachbarten Geschäften womöglich eine Existenznot.

Gegründet schon vor dem Krieg, wächst Hertie während des deutschen Wirtschaftswunders zügig. 1952 übernimmt die Firma die Rivalen Wertheim und Hansa. Nachdem der Kaufhauskonzern noch bis in die 70er-Jahre rasch expandiert und Filialen auch in kleineren Städten eröffnet hat, gehen die Umsätze in den 80er-Jahren massiv zurück. Zahlreiche oft erst kurz zuvor errichtete Häuser werden wieder geschlossen.

Der Niedergang der Gruppe lässt sich gleichwohl nicht aufhalten. 1993 schluckt Karstadt den Konkurrenten und verpasst den Häusern den eigenen Namen.

Seite 1:

Hertie hängt in der Luft

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%