Britischer Einzelhandel
Woolworths ist pleite

Der britische Einzelhandel befindet sich angesichts der Wirtschaftsflaute im freien Fall. Die mit mehr als 800 Geschäften in vielen britischen Einkaufsstraßen vertretene Traditionskette Woolworths musste am Donnerstag Gläubigerschutz anmelden - nur einen Tag, nachdem die große Möbelkette MFI zu diesem Schritt gezwungen wurde.

HB LONDON. Mehr als 30 000 Arbeitsplätze stehen damit auf der Kippe. Die deutsche Woolworth-Kette gehört nicht zu dem britischen Konzern und ist damit von diesem Schritt nicht betroffen.

Auch Europas größter Elektronik-Einzelhändler DSG - mit "Currys" und "PC World" ebenfalls allseits präsent - verbuchte erstmals seit 25 Jahren einen Verlust und sieht auch für die Zukunft schwarz. Schließlich warnte zudem die größte europäische Baumarktkette Kingfisher vor einer Eintrübung der Geschäfte.

Die Wirtschaftsflaute trifft den britischen Einzelhandel besonders hart, weil der Konsum dort jahrelang von steigenden Immobilienpreisen und freizügigen Banken angefeuert wurde. Jetzt aber fallen die Häuserpreise rapide und die Banken sind deutlich vorsichtiger bei der Kreditvergabe geworden. Zudem steigt bereits die Arbeitslosigkeit. Experten zufolge befindet sich auch die Gesamtwirtschaft bereits in einer Rezession.

Was von der 99-jährigen Kette Woolworths noch zu retten ist, soll jetzt ein Sonderverwalter klären. Es gebe aber keine Aussichten mehr, die Geschäfte erfolgreich weiter zu betreiben, erklärte Woolworths in einer Mitteilung an das zuständige Gericht. Neben der Ladenkette wird auch das Großhandels-Geschäft Entertainment UK (EUK) unter Sonderverwaltung gestellt, nicht jedoch die DVD-Sparte des Konzerns.

Woolworths hat im ersten Halbjahr einen Rekordverlust von über 90 Mio. Pfund eingefahren und ächzt bereits seit längerem unter einem riesigen Schuldenberg. Die Kette leidet unter dem Konjunktureinbruch sowie der wachsenden Konkurrenz durch Supermärkte, Fachgeschäfte und Online-Händler. Dennoch verkauft der Konzern noch immer mehr Süßigkeiten als jeder andere Händler in Großbritannien und hält auch beim Absatz von Spielzeugen, Kinderbekleidung und Haushaltswaren eine Spitzenposition.

Auch bei DSG fürchten die Anleger Schlimmes: Das mit 1200 Filialen in 28 Ländern präsente Unternehmen hat an der Börse innerhalb eines Jahres 90 Prozent seines Wertes eingebüßt. Der Konzern verbuchte für die vergangenen drei Monate ein Minus von 30 Mio. Pfund. Vor einem Jahr stand noch ein Plus von 52 Mio. Pfund in den Büchern. Die Baumarktkette Kingfisher konnte ihren Gewinn zwar zuletzt durch Kostensenkungen steigern, warnte aber ebenfalls vor einer Eintrübung des Geschäftsumfelds. Die Aktien beider Unternehmen gaben an der Londoner Börse deutlich nach.

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