Bund sichert Flugbetrieb
Air Berlin meldet Insolvenz an

Air Berlin ist insolvent. Großaktionär Etihad hatte der Airline zuvor den Geldhahn zugedreht. Der Bund sichert nun den Flugbetrieb mit einem Übergangskredit – und mit der Lufthansa laufen bereits Verhandlungen.
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London/BerlinAir Berlin ist pleite. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat am Dienstag für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft die Insolvenz in Eigenverwaltung angeordnet. Air Berlin hatte zuvor den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Die Fluglinie begründete dies damit, dass Hauptaktionär Etihad keine weitere finanzielle Unterstützung geben will. Der Flugbetrieb soll zunächst aber weiterlaufen.

Die Eigenverwaltung ist eine Variante des Insolvenzverfahrens, die auf die Erhaltung und Sanierung des Unternehmens zielt. Bei dieser Variante bleibt zudem das bisherige Management für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich. Zum vorläufigen Sachwalter sei der Rechtsanwalt Lucas Flöther bestimmt worden, teilte das Gericht mit. Flöther hatte zuletzt unter anderem den insolventen Fahrradhersteller Mifa aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt gerettet und bei der Pleite des Internetriesen Unister in Leipzig die Insolvenzverwaltung übernommen.

Die Bundesregierung unterstützt das Unternehmen mit einem Übergangskredit in Höhe von 150 Millionen Euro. „Der Rückflug dieser Reisenden nach Deutschland mit Air Berlin wäre andernfalls nicht möglich gewesen“, hieß es in einer gemeinsamen Presseerklärung von Wirtschafts- und Verkehrsministerium. Der Kredit ist mit einer Bundesbürgschaft abgesichert.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) zeigte sich zuversichtlich, dass die insolvente Fluggesellschaft den Übergangskredit des Bundes zurückzahlen kann. Dies sollte aus dem Erlös der Start- und Landerechte (Slots) möglich sein, sagte Zypries am Dienstag auf einer Pressekonferenz. Sie geht davon aus, dass damit der Flugbetrieb für drei Monate gesichert ist.

Der Flugbetrieb kann nach den Worten von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bis Ende November aufrecht erhalten werden. „Air Berlin hat Eigenmittel, nach wie vor, und in Kombination der verfügbaren Mittel und dem Kredit des Bundes gehen wir davon aus, dass der Flugverkehr bis Ende November gesichert ist“, sagte Dobrindt am Dienstag in Berlin. Kartellrechtliche Bedenken sehe er derzeit nicht, weil es nur um den Verkauf von Unternehmensteilen der Fluglinie gehe und nicht um eine Komplettübernahme.

Alle gebuchten Tickets bleiben nach Angaben des Unternehmens gültig. Auch die Flugpläne würden nicht geändert, hieß es am Dienstagnachmittag auf der Internet-Seite von Air Berlin. Alle Flüge von Air Berlin und ihrer Tochter Niki fänden wie geplant statt. Zudem seien auch alle vorgesehenen Flüge weiterhin buchbar, teilte die Fluggesellschaft mit. Täglich fliegen laut Verkehrsminister Dobrindt 80.000 Passagiere mit der Airline.

Die Lufthansa teilte mit, sie unterstütze gemeinsam mit der Bundesregierung die Restrukturierungsbemühungen der Fluggesellschaft. „Damit wird unter anderem gewährleistet, dass die von Air Berlin geleasten Flugzeuge, die aktuell für Eurowings und Austrian Airlines fliegen, wie bisher weiterbetrieben werden können.“ Die Verhandlungen über den Erwerb von Teilen der Air-Berlin-Gruppe böten auch die Möglichkeit zur Einstellung von Personal. „Lufthansa beabsichtigt, diese Verhandlungen zu einem schnellen und positiven Ergebnis zu führen.“

Lufthansa-Aktien haben ihre Gewinne am Dienstag nach der Bekanntgabe eines Insolvenzantrages der Air Berlin auf mehr als 2 Prozent ausgebaut. Die Air-Berlin-Aktien waren zuletzt noch vom Handel ausgesetzt.

Air Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein, 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich danach.

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  • Den Merkel-Sozialismus in seinem Lauf halten weder Vernunft noch Expertise auf. Steuergelder, also das hart verdiente Geld der Bürger werden in ein Fass ohne Boden gepumpt, mal wieder, diesmal für eine Airline ohne Zukunft.

    Endlich wieder eine volkseigene Airline, quasi Interflug 2.0. Und wie die Stadt so die Airline. Berlin = Pleite

  • Verluste (bzw. hier gleich eine Pleite) sozialisieren, Gewinne privatisieren (die Lufthansa und ihre Aktionäre freut es).
    NEIN, es sind nicht die pösen, pösen Banken - es ist ein KORPORATISTISCHES GEKÜNGEL von Regierung + Konzernen!
    Wie würde es OHNE Staatsinterventionismus ablaufen?
    Im marktwirtschaftlichen Wettbewerb unter den Fludienstleistern hat Air Berlin schlecht gewirtschaftet und muss aus dem Wettbewerb ausscheiden. (Von "gnadenlosem" Wettbewerb reden jedoch immer nur die, die Angst vor der Konkurrenz haben und sich durch die zwingende Gewalt des Staates Privilegien gewähren lassen wollen). Hätte Lufthansa Interesse an Teilen von Air Berlin, dann müsste es GLEICHBERECHTIGT (und nicht mit staatlichen Privilegien!) gegenüber anderen möglichen Interessenten ein Angebot machen.

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