Chefwechsel
Eick löst Middelhoff als Arcandor-Chef ab

Karl-Gerhard Eick ist neuer Chef von Arcandor. Der bisherige Finanzvorstand der Deutschen Telekom löste wie geplant Thomas Middelhoff ab. Eick hat nun schwere Aufgaben vor sich. Und auch Middelhoff gönnt sich keine Pause und hat gleich ein neues spektakuläres Projekt vor der Brust.

HB ESSEN. Der ehemalige Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick hat die Leitung des angeschlagenen Essener Arcandor-Konzerns übernommen. Der 55-jährige Manager hat mit Beginn des Monats die Nachfolge von Thomas Middelhoff angetreten, der im Mai 2005 als Sanierer zum damaligen Karstadt-Quelle-Konzern gekommen war. Nach vier Jahren an der Arcandor-Spitze hinterlässt Middelhoff seinem Nachfolger zahlreiche Probleme im Konzern mit seinen Sparten Warenhäuser (Karstadt), Versandhandel (Primondo) und Tourismus (Thomas Cook).

„Die Übergabe des Unternehmens erfolgt nicht besenrein“, hatte Middelhoff bei seiner letzten Pressekonferenz als Arcandor-Chef vor rund zwei Wochen eingeräumt. Es sei ihm jedoch gelungen, den bei seinem Amtsantritt vom Zusammenbruch bedrohten Konzern zu retten, sagte Middelhoff. Der Arcandor-Aufsichtsrat hatte Eick aufgefordert, die Weichen in dem Unternehmen neu zu stellen. Middelhoff macht sich nun selbstständig und hat zusammen mit namhaften Partnern die Investmentfirma Berger Lahnstein Middelhoff & Partners gegründet.

Karl-Gerhard Eick steht er vom ersten Tag an unter Zeitdruck. Bereits am 18. März hat der ehemalige Telekom-Finanzchef seinen ersten öffentlichen Auftritt bei der Arcandor-Hauptversammlung in Düsseldorf. Die Erwartungen an den neuen Arcandor-Chef sind hoch geschraubt: Der neue Mann soll bei dem angeschlagenen Essener Konzern die Weichen neu stellen.

„Die Erblast, die Eick bei Arcandor übernehmen muss, ist enorm hoch. Nun muss er schnell handeln“, forderte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Baustellen in dem seit Jahren ums Überleben kämpfenden Konzern seien auch unter dem Eick-Vorgänger Thomas Middelhoff „nicht weniger geworden“. Bereits im Juni stünden wieder größere Finanzierungsgespräche mit den Banken an. Erst im vergangenen Jahr hatten stockende Gespräche über eine Refinanzierung des Konzerns das Unternehmen erneut in eine existenzbedrohende Krise gestürzt.

„Die Finanzierung ist ein ganz heißes Eisen“, sagte Analyst Christian Hamann von der Hamburger Sparkasse. „Es hängt vieles davon ab, wie sich die Finanz- und Kreditmärkte weiter entwickeln werden.“ Bevor die nächsten Finanzierungsgespräche anstünden, gelte es, Reputation, Glaubwürdigkeit und Vertrauen bei den Banken und an den Kapitalmärkten zurückzugewinnen, forderte der Arcandor- Aufsichtsratschef und Vertreter des Großaktionärs Sal.-Oppenheim, Friedrich Carl Janssen, bereits im vergangenen Dezember in einem Gespräch mit der mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Denktabus“ dürfe es bei der Sanierung nicht geben.

Im Warenhausgeschäft des Konzerns steht immer noch die Suche nach einem Partner für die schwächelnden Karstadt-Häuser auf dem Programm. Alle Spekulationen über mögliche Allianzen etwa mit der Metro-Tochter Kaufhof sind bislang im Sande verlaufen. Restrukturierungsbedarf besteht bei der Versandhandelstochter Primondo und auch die Tourismustochter Thomas Cook bekommt derzeit eine deutliche Zurückhaltung der Urlauber in der Wirtschaftskrise zu spüren.

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