Consulting-Branche
Unternehmensberater unter Druck

Auch bei den Unternehmensberatern ist die Wirtschaftskrise angekommen. Trotzdem laufen die Geschäfte nach wie vor nicht schlecht. Dies führt dazu, dass auch derzeit in der Branche mehr Personal eingestellt als entlassen wird - solange man sich das eben leisten kann.

Nein, eine Horrorstory konnte Sabine Hansen, Partnerin bei der Personalberatung Heidrick & Struggles, nicht bieten. Keine Geschichte über Heerscharen von altgedienten Unternehmensberatern, die wegen der Wirtschaftskrise arbeits- und perspektivlos auf der Straße stehen. Keine Meldungen über unzählige junge Toptalente, die nach ihrem Uni-Abschluss nun vergeblich an den Toren der Consulting-Branche rütteln. Die Headhunterin musste die junge Journalistin enttäuschen. Kein Stoff für große Schlagzeilen – denn der Branche geht es schlichtweg nicht so schlecht.

Nicht, dass sie völlig unbekümmert durch die Krise schippert. Die Wogen gehen auch hier hoch und bei der ein oder anderen Beratung schwappt das Wasser ordentlich über die Reling. Aber das Gros der Mannschaft ist noch an Bord. Und das soll auch fürs Erste so bleiben, ist Thomas Haussmann, Leiter des Bereichs Human Capital bei der Management- und Vergütungsberatung Watson Wyatt Heissmann, überzeugt. Die Personalleiter der großen und mittleren Beratungen sehen es ähnlich. Haussmann: „Keiner will in einer HauruckAktion das Know-how versenken, das er sich teuer und mit Mühe herangezogen hat.“ Denn nach der Krise, dessen sind sich alle bewusst, wird die Fach- und Führungskräfteknappheit zurückkehren. „Da versucht man lieber, die Leute beschäftigt zu halten.“

Solange man sich das eben leisten kann. Doch die Geschäfte laufen bei vielen Häusern so schlecht nicht, und die finanziellen Puffer sollten auch da sein. Denn 2008 war nach der jüngst veröffentlichten Marktstudie des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) ein gutes Jahr. Der Umsatz der Branche legte trotz erster Krisendellen um 10,7 Prozent zu. Und für das aktuelle Jahr halten die Beratungen immerhin noch ein leichtes Plus von drei Prozent für möglich.

Auch die BDU-Erhebung spiegelt wider, dass nur vergleichsweise wenige Beratungen für 2009 einen Personalabbau anvisieren. Je nach Größenklasse wollen sich nur ein bis 15 Prozent der Häuser von Mitarbeitern trennen. Die Großen der Branche –die mit einem Umsatz jenseits der fünf Millionen Euro – planen dabei am häufigsten Entlassungen. Aber: Das ist auch die Größenklasse, die am zahlreichsten angab, dass sie 2009 weiter Personal einstellen wolle. Rund zwei Drittel dieser Unternehmen wollen aufstocken. Auch fast 62 Prozent der mittelgroßen Häuser mit Umsätzen zwischen einer und 2,5 Millionen planen, die Belegschaft aufzustocken. Rund ein Drittel von ihnen will sich konstant halten, nur für acht Prozent ist Stellenabbau ein Thema. „Gerade mittlere Beratungen stellen deshalb eine attraktive Alternative für Bewerber dar“, sagt BDU-Präsident Antonio Schnieder. „Diese hatten 2008 auch das höchste durchschnittliche Umsatzwachstum.“ Je kleiner das Beratungsunternehmen, desto vorsichtiger gibt man sich in diesem Jahr bei Neueinstellungen, aber nur selten will man schrumpfen.

Wenn es an der Auftragsfront irgendwo löcherig wird, werden Mitarbeiter mit freien Kapazitäten auf andere Projekte umverteilt, so gut es ihre Expertise und Spezialisierung zulassen. Oder man kümmert sich um Interna wie Renovierung und Ausbau des eigenen Produktportfolios. Vereinzelt werden Beratungen gemeldet, die Kurzarbeit einführen oder zu Sabbaticals und Promotionen ermutigen. Von Däumchendrehen in großem Stil will aber noch kein Branchenvertreter etwas wissen. Unterm Strich stehen die Zeichen auf dem Beraterarbeitsmarkt derzeit besser als in anderen Branchen.

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