Containerschifffahrt
Seefracht verliert an Fahrt

Der lange Zeit schier ungebremste Boom in der Containerschifffahrt flaut ab. Verantwortlich für den Rückgang der Frachtraten sind die Rezension in den USA sowie konjunkturelle Ermüdungserscheinungen in Fernost und Europa. Vor allem Linienreedereien leiden unter dem Rückgang des Container-Aufkommens.

DÜSSELDORF. Die Reeder müssen angesichts sinkender Nachfrage auf wichtigen globalen Routen derzeit einen starken Verfall der Frachtraten verkraften. Da zugleich die Kosten für den Schiffsdiesel wie für alle Treibstoffe drastisch gestiegen sind, schrumpfen bei den Linienreedern, die ihre Containerschiffe im festen Fahrplan über die Weltmeere fahren, die Gewinne. Allerdings sehen Experten keinen Anlass zu tiefer Besorgnis: Es handele sich allenfalls um eine Schwankung im stark zyklischen Transportgeschäft.

Rezession in den USA, leichte Abkühlung der überhitzten Konjunktur in Fernost, konjunkturelle Ermüdungserscheinungen in Europa und immer mehr Kapazitäten durch neue Schiffe: "Das bekam die Containerschifffahrt in den letzten Wochen deutlich zu spüren. Die Frachtraten gingen zum Teil um bis zu 25 Prozent zurück", beobachtet Schifffahrtsexperte Frank Binder, Chefredakteur des in Hamburg erscheinenden "Täglichen Hafenberichts" (THB). Das Blatt ermittelte in der vergangenen Woche, dass die Transportpreise in der Container-Schifffahrt weltweit durchschnittlich um fünf Prozent zurück gegangen sind. Je größer das Schiff, desto höher war der Verfall der Frachtraten. Besonders stark betroffen, so Burkhard Lemper vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremen, seien die Transporte von Asien nach Europa.

Vor allem die Linienreedereien würden das deutlich zurück gegangene Container-Aufkommen spüren. Besser im Rennen sind nach wie vor die Reedereien, die ihren Schiffsraum verchartern und damit unabhängiger von Marktschwankungen sind. Zumindest bei modernen Schiffen erzielen sie noch Raten, die sich, so der Branchendienst THB, "auf traumhaften Höhen" bewegen, bei denen ein guter Gewinn übrig bleibe.

Wie sehr es die Linienreeder dagegen trifft, zeigt der in der vergangenen Woche veröffentliche Halbjahresbericht der in Singapur ansässigen Containerschiffsgesellschaft Neptune Orient Lines (NOL). Sie musste für das zweite Quartal wegen der verschlechterten Rahmenbedingungen einen Gewinnrückgang von 19 Prozent verkünden. In der Halbjahres-Bilanz reichte es allerdings noch zu einem Nettogewinn von 45 Prozent. NOL ist einer der Bieter für die zum Verkauf stehende Tui-Tochter Hapag-Lloyd, die fünftgrößter Container-Schiffsbetreiber weltweit ist. Hapag-Lloyd selbst wollte sich wegen der schwebenden Verkaufsverhandlungen allerdings nicht zur Marktsituation äußern.

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