Das Schlecker-Drama
Der größenwahnsinnige König von Ehingen

Anton Schlecker herrschte auf dem Höhepunkt seines Erfolges über 50.000 Mitarbeiter und 14.000 Filialen in 17 Ländern. Zwei Charaktereigenschaften bestimmten Aufstieg und Fall des Familienunternehmers: Sturheit und Größenwahn.
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EhingenJuli 2010: Anton Schlecker sitzt im Konferenzraum seiner Firmenzentrale in Ehingen, im sechsten Stock, hinter Spiegelglas, und wartet auf den Feind. Es ist Sommer, und Schlecker sitzt in seinem Stuhl mit der orthopädischen Rückenlehne, vor ihm der Konferenztisch, leer, kein Blatt Papier, kein Getränk. Im Raum nur er und seine Frau Christa. Er würde hier nicht sitzen, wenn er nicht müsste. Aber alleine kommt Schlecker nicht mehr weiter.

Schlecker springt auf, als Professor Norbert Wieselhuber, Unternehmensberater aus München, Spezialist für Familienunternehmen, hereinkommt. Schlecker gibt ihm die Hand, spricht von seiner Freude, vom Anpacken, von einem gemeinsamen Stück Arbeit.

Es muss Anton Schlecker wirklich schlechtgehen, wenn er Wieselhuber zu sich einlädt. Auf Männer wie ihn war Schlecker schlecht zu sprechen. Was solle denn so ein Berater aus München oder Stuttgart, einer, der keine Ahnung vom Handel habe, der das Geschäft nicht kenne, ihm erzählen, fragt er seine Mitarbeiter. Diese Unternehmensberater, das seien doch genau wie Banker alles Betrüger. Noch im Januar 2010 sagt Schlecker in einem Interview: "Wir brauchen keinen Strategieberater."

Und genau so einer steht nun vor ihm. Und Schlecker muss jetzt mit diesem Mann, diesem Außenseiter, über seine Fehler sprechen. Darüber, warum die Leute ihre Seife nicht mehr bei ihm kaufen wollen.

Das Imperium, das Schlecker in mehr als drei Jahrzehnten aufgebaut hat, bröckelt: Konkurrenten wie dm und Rossmann gewinnen seit Jahren stetig Marktanteile hinzu, die Schlecker verliert. Mehr als eine halbe Milliarde Euro Verlust hat sich das Unternehmen in den letzten fünf Jahren eingehandelt.

Noch glaubt der Patriarch, dass nicht alles zu spät ist. Dass er die Kontrolle über sein Imperium mit jetzt 12 700 Filialen und 46 000 Mitarbeitern in 17 Ländern zurückgewinnen kann. Zusammen mit Wieselhuber. Der aber hat die Zahlen noch nicht gesehen.

Kommentare zu " Das Schlecker-Drama: Der größenwahnsinnige König von Ehingen"

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  • also amn muss doch wirklich sagen, dieser mann hat jahrzehnte lang menschen ihre existenzen gegeben.
    wenn es Sklaverei war warum haben dann über 50.000 Menschen dort gearbeitet? Es ist nicht schön da eine so große menge Menschen aufeinmal arbeitslos sind aber wie hätte man es verhindern sollen ?
    Wenn dieser Mann alles "falsch" gemacht hat, warum hat es dann so lange mit so großem Erfolg funktioniert ?
    Meiner Meinung nach kann man es auch von dieser Seite betrachten.

  • Volle Zustimmung

  • Volkshochschule?

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