Debakel mit Tui-Aktien
Fredriksen versenkt 200 Millionen Euro

Der Verkauf der Tui-Tochter Hapag Lloyd macht Fortschritte. Die Prüfung der Bücher durch die Bieter ist abgeschlossen, ein entscheidender Schritt ist damit getan. Den streitbaren Großaktionär John Fredriksen allerdings wird dies kaum freuen. Sein Tui-Paket ist heute fast 30 Prozent weniger wert als beim Kauf.

DÜSSELDORF: Der norwegische Großreeder John Fredriksen steht bei seiner Attacke auf die Tui vor einem spektakulären Verlust. Während der von Fredriksen erzwungene Verkauf der Tui-Tochter Hapag Lloyd auf sein Ende zusteuert, ist der Kurs der Tui-Aktie auf den tiefsten Stand seit Fredriksens Einstieg gefallen. Das 15-Prozent-Paket, das Fredriksen nach Berechnungen des Handelsblattes für insgesamt 670 Millionen Euro erwarb, ist heute noch 470 Millionen Euro wert.

Nach dem Verkauf besteht die Tui nur noch aus dem Tourismusgeschäft, an dem Fredriksen kein Interesse hat. Der Norweger hatte stets betont, nach der Aufspaltung des Konzerns werde er sich von Tui trennen. Dieser Zeitpunkt rückt nun immer näher. Die Prüfung der Hapag-Bücher durch die beiden Bieter, die NOL-Reederei aus Singapur und ein Hamburger Konsortium, ist Tui-Kreisen zufolge abgeschlossen. Bis Ende des Monats müssen sich die Bieter erklären.

Doch wie viel ist die weltweit fünftgrößte Containerschiff-Reederei wirklich wert? Angesichts fallender Frachtraten nehmen viele Experten an, Tui-Chef Michael Frenzel werde viel weniger erlösen können als ursprünglich angenommen. Im Frühjahr wurden in Branchenkreisen noch Zahlen von fünf oder gar sechs Milliarden Euro genannt. Heute ist Rikard Vabo vom Fearnley Fonds in Norwegen ist einer der wenigen Analysten, der einen Preis von vier Milliarden Euro noch für realistisch halten.

Für Fredriksen aber bedeutet selbst ein unerwartet hoher Preis nur wenig Linderung seiner Sorgen. Denn der Verkaufserlös fließt keineswegs komplett als Sondergewinn an die Aktionäre. Die Nettoverschuldung der Tui beträgt 3,9 Milliarden Euro. Das Unternehmen hat sich beim Verkauf seiner Anleihen verpflichtet, innerhalb eines Jahres etwaige Sondererträge sowohl zur Schuldenreduzierung als auch für Investitionen zu nutzen.

Es ist unklar, ob sich der Milliardär Fredriksen dieser Hürden bewusst war, als er im August 2007 bei Tui einstieg. Erste Gespräche mit Tui-Chef Frenzel verliefen durchaus freundlich. Fredriksen lobte das Management und bot sein Geld und seine Expertise als Großreeder an. Als der Kurs Anfang 2008 aber einbrach, lagen beim Norweger und seinen Abgesandten die Nerven schnell blank. Tui-Finanzverstand Rainer Feuerhake musste sich am Telefon anbrüllen lassen.

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