Deutsche Bahn
Unternehmen Ankunft

Von Schmierfilmen, Sieben-Monats-Kindern und Abstellgleisen: Warum die Bahn in diesem Herbst so viele Kunden wie noch nie verprellt. Eine Handelsblatt-Reportage.

DÜSSELDORF. Wir sind da, wo unsere Kunden sind“, behauptet die Bahn im Internet.

Dienstag, 11. November 2003: Um kurz nach elf Uhr stürzt ein morscher Baum auf die Oberleitung der Strecke Freiburg – Titisee/Neustadt. 40 Passagiere müssen am stillgelegten Bahnhof Hirschsprung aussteigen. Ein Bus soll sie abholen, er trifft nie ein. Als der Strom wieder fließt und Zug um Zug an den Gestrandeten vorüberzieht, ahnen sie, warum sich die Landschaft um sie herum Höllental nennt. Die Sonne hat sich schon hinter die Berge zurückgezogen, da stellen sich einige Bahnkunden auf die Gleise und stoppen den nächsten Zug mit Winken und Handzeichen. Roland Kortz, Bahnsprecher in Baden-Württemberg: „Toi, toi, toi – zum Glück ist nichts passiert.“ Wie es soweit kommen konnte? Die Bahn spricht von einer „Verkettung unglücklicher Umstände“.

Dass der Herbst die Jahreszeit der Verspätungen bei der Bahn ist und manchmal auch Bäume auf Oberleitungen fallen, diese Geschichte wird in jedem Jahr erzählt. Warum sie hier und jetzt wieder erscheint, hat damit zu tun, dass das Chaos 2003 eine historische Dimension erreicht hat. Es sind dies die Wochen beispielloser Pannen und Verspätungen – und das ausgerechnet in einer Phase, in der sich das Unternehmen fit machen will für den Börsengang. „Wir sind in einer extrem schwierigen Situation“, gesteht eine Bahn-Sprecherin.

Dabei ist es wahrscheinlich, „dass die Schuld an der Misere falsche Sparsamkeit ist, manchmal Schlamperei und vor allem die Tatsache, dass die Bahn börsenfähig werden soll.“ Das sagt Karl-Peter Naumann, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. Der CDU-Landesvorsitzende in NRW, Jürgen Rüttgers, polemisiert: „Für das Unternehmen Zukunft geht es jetzt um das Unternehmen Ankunft.“

Natürlich gibt es externe Faktoren für die ungeheure Unpünktlichkeit, so die bis zu 1 000 Selbstmorde auf den Gleisen der Bahn jedes Jahr. Und doch scheint der Konzern vor allem selbst schuld an den Verspätungsrekorden zu sein: Weil er das Rationalisieren übertreibt. „Wir wissen, dass wir schlechte Leistung abliefern“, sagt Wolfgang Maurer, Konzernbevollmächtigter in NRW.

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