Deutsche Bank und andere
Gläubiger des Eurotunnels segnen Rettungsplan ab

Die Hauptgläubiger der hoch verschuldeten Betreibergesellschaft des Eurotunnels haben dem Rettungsplan für das Unternehmen zugestimmt. Doch ganz aus dem Schneider ist die britisch-französische Firma damit noch nicht.

HB PARIS. Wie Unternehmenssprecher John Keefe am Montag mitteilte, votierten die Geldgeber, die rund 72 Prozent der Gesamtschuldenlast von 9,2 Mrd. Euro tragen, für den Plan. Einer der größten Gläubiger ist die Deutsche Bank. Damit die Umschuldung beginnen kann, müssen nun noch die übrigen Geldgeber zustimmen.

Der Sanierungsplan sieht vor, dass der Schuldenberg um mehr als die Hälfte abgetragen wird. Die im vergangenen Monat offiziell vorgestellten Pläne sehen die Gründung eines neuen Unternehmens mit dem Namen Groupe Eurotunnel SA vor, an dem die Gläubiger 87 Prozent halten sollen. Zudem soll durch die Emission von Anleihen frisches Geld hereingeholt werden. Unternehmenschef Jacques Gounon hatte im Oktober die Summe von 1,9 Mrd. Euro genannt.

Die Verhandlungen zwischen Eurotunnel und verschiedenen Geldgebern laufen seit Jahren. Der etwa 50 Kilometer lange Tunnel zwischen Frankreich und Großbritannien wurde 1994 eröffnet und befindet sich seitdem in finanzieller Schieflage. Die Baukosten wurden unterschätzt; zudem blieb die Auslastung seit der Eröffnung weit hinter den Erwartungen zurück. Ein französisches Gericht gewährte Eurotunnel im August Gläubigerschutz für sechs Monate, nachdem ein erster Umschuldungsplan von den Gläubigern als zu unrentabel abgelehnt worden war.

Um über den neuen Rettungsplan abzustimmen, hatten sich die Hauptgläubiger zu der entscheidenden Abstimmung in einem Pariser Gerichtsgebäude getroffen. Mit 28 Ja-Stimmen fiel die Entscheidung bei einer Gesamtzahl von 53 teilnehmenden Gläubigern jedoch äußerst knapp aus. Bei einer Ablehnung hätte das Ende der 80er Jahre mit großen Erwartungen gestartete binationale Prestigeobjekt wohl ein jähes Ende gefunden. Das zuständige Handelsgericht hätte dann die Gesellschaft liquidieren und die Vermögenswerte verkaufen können. Die Betreiberlizenz wäre an Großbritannien und Frankreich zurückgefallen.

Konzernchef Jacques Gounon blickt nun zuversichtlich in die Zukunft: „Jetzt ist die Zeit für eine Wiedergeburt von Eurotunnel als normales Unternehmen.“ Eurotunnel habe nun die Chance, nach 20 Jahren die ausgefahrenen Gleise zu verlassen. In einem zweiten Schritt soll bis Mitte Dezember auch die obligatorische Zustimmung der Inhaber der Firmenanleihen zu dem Sanierungsplan eingeholt werden.

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