Deutsche Post ist gut aufgestellt
Royal Mail macht sich fit für den Wettbewerb

Der neue Wettbewerb auf dem britischen Briefmarkt bringt den Staatskonzern Royal Mail auf Trab. Die Britische Post hat den Verlust halbiert und will im kommenden Jahr schwarze Zahlen schreiben.

HB LONDON. Der Konzern, noch vor einem Jahr mit einem Verlust von 1,2 Mill Pfund (1,73 Mill. Euro) am Tag tief in der Krise, hat durch Sparmaßnahmen inzwischen das tägliche Minus auf 0,7 Mill. Pfund verringert. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002/03 (Ende März) wurde der Vorsteuerverlust um fast die Hälfte auf 611 Mill. Pfund reduziert. Nach fünf Krisenjahren gilt dies als erstes Signal für eine Trendwende bei der Traditionspost.

Der als Sanierer vor zwei Jahren an die Spitze geholte Chairman Al-lan Leighton will noch mehr: Nach dem „Jahr der Verbesserung“ soll Royal Mail schon kommendes Frühjahr zurück in die Gewinnzone kommen- rechtzeitig bevor die ausländische Konkurrenz auf der Insel stärker mitmischen kann. Denn zahlreiche andere Postkonzerne - allen voran die Deutsche Post, aber auch die niederländische TPG - haben bereits Lizenzen in Großbritannien.

Vor allem die Deutschen sind gut aufgestellt. Einmal ist die Deutsche Post seit Jahren über den Paketdienst Securicor Omega auf der Insel im Geschäft. Mit der Firma, die im März vollständig übernommen wurde, verfügt der Konzern bereits über ein eigenes Sortier- und Verteilnetz, das schnell für den britischen Briefverkehr genutzt werden kann - ein Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Zum anderen erwartet der Bonner Konzern, dass er im Herbst eine Dauerlizenz für die Tochter Global Mail bekommt, bestätigte ein Sprecher. Ein Antrag sei im März gestellt worden. Die Deutsche Post wolle im britischen Massenmarkt für Firmenbriefe einsteigen. Der britische Briefmarkt ist mit 82 Mill. Sendungen am Tag besonders lukrativ.

Zudem drängt London mehr als andere Länder auf die Marktöffnung. Die Briten haben zwar erst seit Januar, und damit später etwa als Schweden oder Deutschland, den Briefmarkt im ersten Schritt geöffnet. Doch bereits 2007 soll auf der Insel der gesamte Briefverkehr liberalisiert sein – früher als von Brüssel gefordert.

„Die wirklich harte Arbeit liegt noch vor uns“, schwant es Royal-Mail-Chef Leighton. Der Ex-Monopolist versucht sich mit einem massiven Sparprogramm fit für den Wettbewerb zu machen. 16 000 Stellen wurden bereits abgebaut, 350 Postämter dicht gemacht und der Service wurde ausgedünnt. 3000 der 17 000 Ämter sollen bis 2005 noch geschlossen werden.

Ein Protestschrei hallt durchs Land. Doch der stetige Erfolg bei der Sanierung des Unternehmens spricht für den Kurs Leightons. Streiks, die früher die britische Post wochenlang lahm legten, sind Seltenheit geworden. Das Porto ist auf der Insel im europäischen Vergleich relativ günstig.

Der neue Wettbewerb im Briefverkehr hat Royal Mail bisher weniger geschadet als befürchtet wurde. Dabei hatte Leighton einst gewettert, sein Konzern werde mit der Konkurrenz schon nach sechs Monaten 6 % am Markt verloren haben. „Nicht einen einzigen Brief hat Royal Mail an die Konkurrenz verloren“, sagt dagegen Postcomm-Chef Michael Stanley.

Gern schimpft Leighton im Dauerstreit um die Marktöffnung über die britische Regulierungsbehörde Postcomm. Jüngster Zankapfel: Die Entgelte, die die neue Konkurrenz für die Nutzung des Zustellnetzes an Royal Mail zahlen muss. Denn ein eigenes Vertriebsnetz lohnt erst ab einem hohen Marktanteil. Die neuen Anbieter wollen die Briefe einsammeln und sortieren, um sie anschließend an die Royal Mail zur Auslieferung zu übergeben.

Postcomm hat in einem ersten Fall festgelegt, dass dafür 12 bis 14 Pence pro Brief an Royal Mail abgeführt werden müssen. Ein Meilenstein für die Öffnung des britischen Briefmarktes, meinen Beobachter, und eine Schlappe für Royal Mail - der Konzern wollte 21 Pence. Das koste Royal Mail wieder 500 Mill. Pfund im Jahr, schimpft Leighton. Er will bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen.

Postcomm-Chef Stanley will mitgehen. Die Aufsicht rechnet nicht mit einem Rechtsstreit. Stanley ist sicher, dass Royal Mail langfristig von den Aufträgen der Konkurrenten profitieren wird.

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