Deutsche Post
„Mister Cool“ bricht Rekorde

Unter den Dax-Chefs trägt Frank Appel den Spitznamen „Mister Cool“. Mit Beharrlichkeit hat der oberste Postbote der Republik den Bonnern ein Rekordergebnis beschert. Die Aktie klettert auf einen historischen Höchststand.
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BonnIn Deutschlands erster Börsenliga, dem Dax 30, gilt Post-Chef Frank Appel längst als „Mister Cool“. Flüchtlingszustrom in Deutschland? Für den 56-Jährigen kein Problem: Konzernweit ließ er Mitarbeiter freistellen, die Neuankömmlinge fit machen sollen für den Einsatz bei der Deutschen Post. Brexit? Je komplizierter es wird, beruhigt Appel, desto mehr könne sein Konzern beim künftigen Warentransfer verdienen.

Mit Versprechen hält sich der ehemaligen McKinsey-Berater üblicherweise nicht lange auf. Die von der Dieselaffäre gebeutelte Automobilindustrie darf seit Monaten bei ihm lernen, wie man mit dem Streetscooter Elektrofahrzeuge auf den Markt bringt. Den Angreifer Amazon wehrte der Post-Chef erfolgreich ab, indem er ihn vor wenigen Wochen im Lebensmittelversand kurzerhand als Kunden gewann.

Die Quartalszahlen der Deutschen Post bis Ende Juni, die Appel am heutigen Dienstag vorlegte, bestätigen den Kurs. Mit einem Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 841 Millionen Euro übertraf der Dax-Konzern nicht nur die Erwartungen der Analysten, die mit lediglich 818 Millionen Euro gerechnet hatten. Die Deutsche Post markierte damit auch das stärkste zweite Quartal ihrer Geschichte – und den siebten Quartals-Bestwert in Folge.

„Wir sind mit dem zweiten Quartal wie auch mit dem gesamten ersten Halbjahr sehr zufrieden“, sagte Appel. Nach dem erfreulichen Abschneiden im bisherigen Jahresverlauf sei man auf bestem Wege, die eigenen Ebit-Ziele für das Gesamtjahr 2017 zu erreichen – angepeilt ist ein Jahresendstand von 3,75 Milliarden Euro, nach 3,5 Milliarden im Vorjahr. „Auch für die kommenden Jahre sind wir unverändert optimistisch“, erklärte der Post-Chef. Entsprechend schoss die „Aktie Gelb“ nach Börseneröffnung zunächst auf ihren historischen Höchstwert von 34,40 Euro.

Analysten wie Adrian Pehl von der Commerzbank trauen den Papieren sogar noch mehr zu. Im Hinblick auf die Ertragswerte seien die Aktien immer noch weitaus günstiger als die Papiere fast aller Branchenwettbewerber – darunter Fedex oder UPS. Pehl rechnet nicht nur damit, dass die Post ihre Ziele für 2017 leicht übererfüllen wird, sondern auch mit einem Kursziel, das mit 41 Euro weit über dem heutigen Stand liegt. Entsprechend empfiehlt er die Aktie schon seit Anfang August zum Kauf.

Ein wenig enttäuschend fiel allein die Umsatzentwicklung aus. Während die Erlöse des Konzerns von April bis Juni um 623 Millionen Euro auf 14,8 Milliarden Euro stiegen, hatten Analysten mit einem Umsatz von 15,1 Milliarden Euro gerechnet. Grund für den eher verhaltenen Anstieg: Abgesehen von einem kleinen Zukauf in Großbritannien – übernommen wurde der Paketdienstleister UK Mail – hielt sich der Bonner Konzern von teuren Übernahmen fern. Mittelfristig könnte die Zurückhaltung zur Folge haben, dass er die Weltmarktführerschaft in der Logistikbranche an die US-Rivalen UPS und vielleicht sogar Fedex abgeben muss, die zuletzt kräftig zukauften.

Dass es mit dem Gewinn dennoch steil nach oben ging, lag an den kräftigen Zuwächsen beim operativen Ergebnis der Unternehmensbereiche Express (+12,2 Prozent) und Lagereidienstleistung (+21,6 Prozent). Das Betriebsergebnis im Brief- und Paketgeschäft wuchs dagegen nur um vier Prozent auf 259 Millionen Euro – und das, obwohl der boomende E-Commerce den Umsatz der Paketzustellung um 13,6 Prozent auf zwei Milliarden Euro emporschnellen ließ. Doch nicht nur hohe Investitionen ins Geschäft bremsten den Gewinnanstieg. Auf eine kräftige Portoerhöhung wie im vergangenen Jahr musste die Deutsche Post diesmal verzichten.

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