DHL könnte eher als erwartet Gewinne schreiben
US-Geschäft der Post erholt sich

Die Deutsche Post kommt bei der Sanierung ihres defizitären US-Geschäfts besser voran als erwartet. Vorstandsmitglied und Amerikachef John Mullen schloss im Gespräch mit dem Handelsblatt nicht aus, dass die Paket- und Logistiktochter DHL in Amerika früher als angekündigt schwarze Zahlen schreibt.

tmo NEW YORK. „Wenn wir am Jahresende gut dastehen, können wir über unsere finanziellen Ziele neu nachdenken“, sagte Mullen. Bislang strebte die Post in den USA erst für das letzte Quartal des Jahres 2006 einen Gewinn an. Im laufenden Jahr soll der Verlust auf 300 Mill. Euro sinken, nachdem die Amerikasparte 2004 noch 495 Mill. Euro verloren hatte.

Damit zeichnet sich für die Deutsche Post ein Ende der horrenden Verluste ab, die sie in den USA einfährt. Dort kaufte der Bonner Logistikkonzern im August 2003 für eine Mrd. Dollar den Luftfrachtdienst Airborne und integrierte ihn in die globale Kurier- und Paketdienstsparte DHL. Dahinter steckt die Strategie des Post-Chefs Klaus Zumwinkel, den Wegfall des deutschen Briefmonopols 2008 durch Wachstum im Ausland auszugleichen.

Doch die Übernahme erwies sich als Sanierungsfall. Zeitweise stellte die Deutsche Post in Amerika weniger als 90 Prozent ihrer Lieferungen pünktlich zu – „ein völlig unakzeptabler Wert“, sagt der seit Januar amtierende Mullen, der im Konzernvorstand das gesamte Geschäft von DHL Express in Amerika, Asien und den Schwellenländern verantwortet. Unter Mullens inzwischen abgesetztem Vorgänger Uwe Dörken rutschte der US-Marktanteil der Post unter sieben Prozent, statt wie geplant auf 15 Prozent zu steigen. Mullen kümmerte sich nach seiner Ankunft in der DHL-Zentrale in Florida zunächst um operative Probleme. Ein 1,2 Mrd. Dollar schweres Investitionsprogramm soll die Zusammenführung von DHL und Airborne vollenden und die Sparte fit machen.

Im September, einen Monat früher als angekündigt, wird die Deutsche Post laut Mullen den Ausbau ihres künftig einzigen US-Luftdrehkreuzes in Wilmington im Bundesstaat Ohio abschließen. „Das ist für uns ein großer Schritt nach vorn“, sagt Mullen. Bislang läuft der Verkehr über zwei Drehkreuze – das alte Airborne-Zentrum in Wilmington und das DHL-Zentrum in Cincinnati. Gleichzeitig erweitert Mullen die Kapazitäten im schnell wachsenden Bodentransport. Der Anteil pünktlicher Lieferungen verbesserte sich dem Manager zufolge inzwischen auf 97 Prozent. „Damit haben wir die gleiche Qualität erreicht wie unsere Wettbewerber.“

Analysten erkennen die Fortschritte an. Die Investmentbank Merrill Lynch lobt „positive Veränderungen in der Führung und die Eliminierung doppelter Netzwerke“ in den USA. Allerdings merkt Analyst Menno Sanderse von Morgan Stanley kritisch an: „Um das Jahresziel zu erreichen, muss die Post im zweiten Halbjahr ihr Tempo beschleunigen.“ Für die erste Jahreshälfte meldete die Deutsche Post vergangene Woche einen Verlust von 197 Mill. Euro bei DHL Americas. Nun darf die Sparte im zweiten Halbjahr nur gut 100 Mill. Euro verlieren, um das Jahresziel einzuhalten.

Trotz der Menge Geld, das die Post nach Amerika pumpt, verteidigt Mullen den Einstieg in den weltgrößten Logistikmarkt, den seit Jahrzehnten ein Quasi-Duopol der US-Riesen United Parcel Service (UPS) und Fedex beherrscht. „Ohne Standbein in den USA sind wir kein wirklich globales Unternehmen“, sagt Mullen. Eine solche Lücke könne die Deutsche Post sich nicht leisten.

Mullen verweist auf Erfolge wie das jüngste Mandat des US-Softwareherstellers Sun Microsystems. DHL wickelt künftig die gesamte Logistik für Ersatzteillieferungen an Sun-Kunden weltweit ab, wie die Deutsche Post am Montag mitteilte. Mullen sagt: „Ohne starke Präsenz in den USA wären wir gar nicht erst auf die Bewerberliste für diesen Auftrag gekommen.“

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