"Die Märkte sind noch nicht wirklich offen"
Entsorger Rethmann wächst durch Übernahmen

Der Entsorgungskonzern Rethmann AG & Co. hat kein Interesse mehr an einer Beteiligung an der Gelsenwasser AG. „Wir müssen davon ausgehen, dass dieses Kapitel für uns beendet ist“, sagte Rethmann-Chef Hermann Niehues auf der Bilanzpressekonferenz. „An einer Finanzbeteiligung sind wir nicht interessiert. Wir wollen unternehmerisch tätig werden.“

gil DÜSSELDORF. Die Stadtwerke von Dortmund und Bochum hatten vor kurzem 80,5 % der Anteile an Deutschlands größtem privaten Wasserversorger vom Energiekonzern Eon übernommen und dafür 835 Mill. Euro gezahlt. Diesen Preis kritisierte Niehues als zu hoch. „Wir waren dazu nicht bereit, trauern dem aber nicht nach.“

Im Geschäft mit dem Wasser sieht die Gruppe aus Selm in Westfalen aber durchaus einen Wachstumsmarkt. Derzeit sei das Privatisierungspotential aber noch gering, sagte Niehues. Es gehe nicht so schnell. Dafür will Deutschlands zweitgrößter Entsorger nach der RWE-Umwelt von der Privatisierung anderer kommunaler Dienstleistungen profitieren. So beteiligt sich Rethmann an Ausschreibungen für öffentlichen Personennahverkehr und regionalen Schienenverkehr. Rethmann habe den Zuschlag für mehrere Strecken im Bielefelder Raum und in Sachsen bekommen. Doch beklagte Niehues den Druck, den die Bahn AG immer noch ausübe. „Die Märkte sind noch nicht wirklich offen.“

Etwas zögerlich geht Rethmann sein Engagement im Dosenpfand an. Zwar hat sich das Unternehmen am Sammelsystem des Großhändlers Lekkerland-Tobaccoland beteiligt, zögert Investitionen in Maschinen aber noch hinaus, da die Zukunft des System politisch unsicher sei. „Wir hoffen, dass sich dieses System national durchsetzt. Das wird man aber erst am Ende des Jahres sehen“, sagte Niehues. Noch gebe es eine starke Abwartehaltung im Handel. Niehues erwartet für dieses Jahr einen Umsatz von rund 20 Mill. Euro aus dem Dosenpfand.

Die Konjunkturschwäche spürt Rethmann an den geringeren Aufträgen seiner industriellen Kunden. „Wir verlieren zwar keine Kunden, aber wir machen mit ihnen weniger Geschäfte“, sagte Niehues. Wachstum gebe es vor allem durch verstärktes Outsourcing der Unternehmen, wovon vor allem die Logistik-Tochter Rhenus profitiere. Sonst wächst die Gruppe wie im vergangenen Jahr vor allem durch die regionale Ausdehnung ins Ausland und durch Übernahmen.

Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz der Gruppe um rund 4 % auf 1,8 Mrd. Euro. Es habe kein internes Wachtum mehr gegeben, sagte Niehues. Die Bereiche Entsorgung und Logistik steigerten ihren Umsatz, beim in der Saria zusammen gefassten Bereich „Entsorgung tierischer Abfälle“ bewirkten die Folgen der BSE-Krise einen Umsatzrückgang. Der Jahresüberschuss sank von 83 auf 80 Mill. Euro. „Wir mussten uns anstrengen, dieses Ergebnis zu halten“, beschrieb Niehues die schwierige Situation.

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