Discounter
Aldi verteidigt seine Kaffeekapseln

Immer mehr Menschen trinken Kaffee aus Kapseln. Jetzt drängt auch Aldi auf den Markt. Der Discounter ist mit den ersten Verkaufszahlen sehr zufrieden. Doch Umweltschützer kritisieren die Kapsel-Systeme immer wieder.
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DüsseldorfMittwoch, 16 Uhr, in einer Aldi-Filiale in Düsseldorf. Übereinander gestapelt stehen die Kartons mit der neuen Kaffee-Kapsel-Maschine im Aktionsbereich des Discounters. Ab und zu schaut sich ein Kunde die Maschinen genauer an. Von einem Ansturm ist aber nichts zu sehen.

Seit Mittwoch vertreibt Aldi Süd deutschlandweit sein eigenes Kaffee-Kapsel-System. Dass der Kundenansturm in der Filiale von Aldi Süd ausblieb, könnte auch daran liegen, dass der Händler die Maschine dauerhaft in sein Sortiment genommen hat. Oder aber auch daran, dass der Discounter erst spät auf einen längst fahrenden Zug aufgesprungen ist. Allein im vergangenen Jahr stieg der Kapselabsatz nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbands um 16 Prozent. Kaffee-Kapseln sind so beliebt wie nie.

Das Unternehmen selbst zeigte sich Handelsblatt Online gegenüber „sehr zufrieden“ mit den Verkaufszahlen des ersten Tages. Konkrete Zahlen nennt Aldi Süd jedoch nicht.

Das Interesse an der Maschine sei groß, heißt es auf Anfrage. „Dies zeigte sich durch die vielen Anfragen in den Filialen, per E-Mail oder über unsere Facebook-Seite“. Auch die Besucherzahlen auf der Internetseite der Kapsel-Maschine seien „sehr hoch“.

Experten und Kunden werfen dem Discounter vor, mit den kleinen Kaffee-Behältern der Umwelt zu schaden. „Die Kapseln verschwenden unnötig viele Ressourcen und verursachen besonders viel Müll“, schreibt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. Auch in den sozialen Netzwerken empören sich Aldi-Kunden über die üppige Verpackung des Kaffees.

Der Discounter reagiert auf die Kritik und verteidigt sein neues Produkt: „Bei der Entwicklung der Kapseln für die Expressi Kapselmaschine haben wir darauf geachtet, dass nur so viel Material wie nötig verwendet wird“, schreibt Aldi Süd auf seiner Facebook-Seite. „Die Kapseln bestehen aus wiederverwertbarem Kunststoff und können im Recyclingmüll entsorgt werden, um so wieder dem Wertstoffkreislauf zugeführt zu werden.“

Dennoch: Abfall ist Abfall. Auch die Aufbereitung des Mülls kostet wieder Energie.

In einer Kaffeekapsel würden zwischen vier und sieben Gramm Kaffee eingeschweißt, rechnet DUH-Experte Fischer vor. „Für jede Portion fallen rund drei Gramm Plastikabfall an. Was in der Einzelbetrachtung wenig spektakulär wirkt, führt in der Gesamtbetrachtung zu großen Abfallmengen. Würde man die letztjährige Menge an Kaffee in einzelnen Kapseln anstatt in Großverpackungen (0,5 kg) verkaufen, so entstünden mehr als 150.000 Tonnen zusätzlicher Plastikabfall.“

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Discounter: Aldi verteidigt seine Kaffeekapseln"

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  • Es ist schon bezeichnend, wie einfach den Menschen das Geld aus den Taschen gezogen werden kann.
    Typisch Herdentrieb und fast alle machen mit.
    Der Kaffee in Kaffeekapseln kostet das 9-fache und die Menschen kaufen und kaufen.
    Mir braucht jedenfalls keiner mehr zu erzählen, dass die Deutschen immer weniger Geld zur Verfügung haben, weil der Staat die Kosten und Steuern in die Höhe treibt.
    Die Deutschen haben für Schnick Schnack immer noch genug Geld.
    Selbst wenn ich bei einer kleinen Kaffeemaschine die Hälfte des Kaffees
    entsorge, spare ich am Ende immer noch.
    Aber das ist offensichtlich nicht "in".

  • "Dennoch: Abfall ist Abfall. Auch die Aufbereitung des Mülls kostet wieder Energie. "

    Leute, Frau Merkel hat sich gerade gegen eine CO2 Begrenzung bei den Autos ausgesprochen und Tempolimit wird es ohnehin auch nicht geben - egal wie viele Saerge deshalb. Also was soll dieses dumme Gerede ueber Aldi und seinen Kaffee?! Das Handelsblatt ist nicht mehr objektiv. Vielleicht gar nur mehr ein Regierungs-/Lobby-Sprachrohr?!

  • [...]

    In diesen herlich bunten Kapseln ist ALLES, außer Kaffee. Die Chemie-Experten für Aroma und Geschmack haben dort eine suoergute Arbeit geleistet. Die sind inzwischen so gut, dass sie JEDEN Wein 1000 mal besser hin bekommen, als die Umwelt zerstörenden Winzer.

    Schade, dass man den Wein noch immer so umweltschädigend produziert. Es geht doch inzwischen anders und der aufgeklärte Verbraucher nimmt eh Chemie-Produkte lieber, als diese grässlichen Natur Produkte.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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