Discounter in Großbritannien
Aldi rockt die Insel

Für den britischen Platzhirsch Tesco wird der Vormarsch deutscher Discounter zum Albtraum. Aldi und Lidl schwimmen im krisengeplagten Großbritannien auf einer Erfolgswelle. Warum die Briten die deutschen Läden mögen.
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LondonDas Urteil war ebenso eindeutig - wie für die Konkurrenz wenig schmeichelhaft. Als das renommierte britische Verbrauchermagazin „Which“ jüngst die beste Supermarkt-Kette des Landes kürte, stand nicht etwa eine der großen einheimischen Adressen oben auf dem Siegertreppchen, sondern ein für deutsche Ohren nur allzu vertrauter Name: der Discounter Aldi.

Die Discount-Kette, die inzwischen über 421 Läden in Großbritannien verfügt, erhalte den Titel, weil sie „eine eindrucksvolle Reihe von Angeboten, eine hohe Qualität der Lebensmittel sowie günstige Preise“ biete, begründeten die Verbraucherschützer ihre Wahl bei der Kür der jährlichen Auszeichnungen, die zum zweiten Mal auf den deutschen Einzelhandelsriesen fiel. Denn das Jahrzehnte alte Konzept des Discounters, der auf niedrige Preise, schmucklose Filialen sowie wenig Personal setzt, kommt auf der Insel einer Revolution gleich: Bisher waren es die Briten gewöhnt, deutlich höhere Preise zu zahlen, obwohl das Wohlstandsniveau dort insgesamt niedriger als in Deutschland ausfällt.

Für die einheimischen Branchengrößen wie Sainsbury, die zum US-Riesen Walmart zählende Asda und den Giganten Tesco ist der Erfolg von Aldi deshalb nicht nur ein Petitesse – sondern eine ernsthafte wirtschaftliche Gefahr. Denn zusammen mit dem deutschen Rivalen Lidl sind die Discounter dabei, den britischen Lebensmitteleinhandel kräftig aufzumischen.

Zwei Drittel des Umsatzes macht Tesco in Großbritannien und hat im vergangenen Jahr – auch als Reaktion auf die deutsche Konkurrenz – eine Milliarde Pfund (1,2 Milliarden Euro) investiert, um die eigenen Läden dort aufzumöbeln. Dennoch: Der Handelsgewinn ist im ersten Halbjahr um acht Prozent auf 1,6 Milliarden Pfund gefallen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Der Umsatz in den britischen Fililalen stagnierte im zweiten Quartal.

Kommentare zu " Discounter in Großbritannien: Aldi rockt die Insel"

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  • Die Briten wissen eben was sie an ihren deutschen Billigheimern haben. Gerade in der Rezession. Unvergessen auch "Cheap and Awful" (C&A)!

  • O-Ton Handelsblatt
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    Bisher waren es die Briten gewöhnt, deutlich höhere Preise zu zahlen,
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    Verkehrt:

    1. Höhere Preise gezahlt haben nur Leute, die nicht rechnen können oder wollen. Denn die englischen Supermarktketten bieten ständig Sonderangebote, die oft um 50% preisreduziert sind. Wer sich in Großbritannien im Lebensmitteleinkauf auf Sonderangebote spezialisert hat, konnte sich in den letzten 25 Jahren vom Rest der Lebenmittelkäufer inklusive Schicki-Micki-Segment erheblich quersubventionieren lassen.

    2. In Großbritannien ist der Mehrwertsteuersatz auf Lebensmittel NULL. Dieser Effekt läßt sich auch nicht durch die etwas geringeren Einzelhandelsmargen in Deutschland ausgleichen. Deshalb sind Lebensmittel in Großbritannen billiger als in Deutschland, solange man bewußt preiswert kauft.

    3. Auch in Großbritannien gab es ein indigenes Discounter-Segment mit Ketten wie Kwiksave und Budgens. Die waren im Vergleich zu Aldi und Lidl allerdings organisatorisch schwach, und wurden deshalb von letzteren vom Markt verdrängt. Kwikave ist durch mehrere Insolvenzen gegangen, Budgens ist jetzt ein "Convenience-Store".

    +++

    O-Ton Handelsblatt
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    obwohl das Wohlstandsniveau dort insgesamt niedriger als in Deutschland ausfällt.
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    Naja.

    BSP pro Kopf Deutschland 32.654 €, Großbritannien 30.921 € (2012).

    Wirklich kein nennenswerter Unterschied.

  • "Für einen Single Haushalt sind das locker 100 - 150 Euro pro Monat. Und davon kann ich, über die Monate gesehen, schon einen Urlaub bestreiten."

    Das stimmt.
    Die spare ich aber auch wenn ich in allen anderen Läden aufpasse. Die Discounter machen mit ihrem Konzept genau das Richtige im Sinne des Kunden. Sie sortieren den Grundbedarf vor, verbessern dadurch die eigenen Einkaufsmöglichkeiten durch die Masse, sparen dadurch einiges in der Ein- und Verkaufshierachie und an der Ausstattung. Und vor allem, was gerne vergessen wird, die Zahlungsziele sind nie unter 3 Monate. Was man in diesen Größen mit Geld anfangen kann was man noch nicht ausgeben muss, kann man sich ausrechnen.
    Die großen Ketten kalkulieren im Schnitt mit 5 Jahren Verlust bei Neueröffnungen (kann sich geändert haben).
    Im Sinne des Verbrauchers eine gute Sache, und nicht nur den Briten gefällt das eben.
    Den kleineren Unternehmen müssen sich was anderes überlegen.

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