Discounter in Großbritannien
Lidl auf der Anklagebank

Ein britischer Immobilienentwickler zieht gegen Lidl vor Gericht. Er fühlt sich bei einem Grundstücksdeal über den Tisch gezogen. Dem Discounter droht ein Rückschlag bei den Expansionsplänen in Großbritannien.

LondonWenn Richard Taylor über die Expansionspläne seines Arbeitgebers spricht, klingt er geradezu euphorisch. „Wir sehen eine große Nachfrage, vor allem im Großraum London“, erklärte der Immobilien-Direktor des deutschen Discounters Lidl in Großbritannien jüngst. Rund 2,1 Milliarden Euro will der deutsche Discounter in den nächsten drei Jahren auf der Insel investieren: Fast im Wochentakt soll dort künftig ein neuer Lidl-Laden entstehen.

Doch nun hat sich über die Expansionsfreude des deutschen Discounters auf der Insel ein Schatten gelegt. Ein britischer Immobilienentwickler fühlt sich bei einem Grundstücksdeal von den Deutschen übervorteilt - und zerrt Lidl UK ab diesem Montag vor das Londoner High-Court-Gericht.

Der Fall ist mehr als eine Lappalie. Im schlimmsten Fall droht den Deutschen ein Rückschlag bei den Expansionsplänen in Großbritannien. Denn es geht um einen millionenschweren Immobiliendeal. Ein knapp ein Hektar großes Grundstück in der nordwestlich von London gelegenen Stadt Brentwood ist dabei zum Zankapfel geworden, die Sachlage ist verwickelt.

Lidl soll, so lautet der Vorwurf, dem Kläger Generator Developments, einem Spezialisten für gemischt genutzte Projekte, zunächst versprochen haben, die Immobilie gemeinsam zu entwickeln - ihn nach dem Kauf jedoch vom Projekt ausgeschlossen haben. Nur dank des guten Rufs der Immobilienfirma sei das Gelände „zu einem Preis deutlich unter dem Höchstgebot der anderen Bieter an Lidl verkauft“ worden, klagt die britische Firma, die Lidls Geschäftsgebaren nun in dem auf zunächst vier Tage angesetzten Prozess klären lassen will.

Eine Sprecherin von Lidl UK wollte zu dem Verfahren keine Stellung nehmen. „Wir möchten uns zu diesem Zeitpunkt nicht äußern und wollen erst die Anhörung vor Gericht abwarten", hieß es.

Für Lidl kommt der Streit zu einem heiklen Zeitpunkt. Bereits heute betreibt Lidl rund 620 Geschäfte in Großbritannien, in drei Jahren sollen es bereits 1.500 sein – ein enger Zeitplan, der nun schnell aus dem Tritt geraten könnte. Zumal Brentwood zu den Vorzeigeprojekten des deutschen Discounters gehört. So hat Lidl für das Grundstück rund 6,5 Millionen Pfund, fast neun Millionen Euro, ausgegeben - und muss nun um den Deal fürchten.

„Wir sind immer wieder beeindruckt von der großen Anzahl an Menschen, die sich bei uns melden mit der Frage, ob nicht ein Lidl in ihrer Stadt eröffnet werden könne“, hatte Ingo Fischer, der bei Lidl in Großbritannien die Planung neuer Märkte verantwortet, erst im November gesagt. Generator Developments dürfte darunter allerdings kaum mehr zu finden sein.

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