Drogeriekette Schlecker
Insolvenzverwalter dringt auf KfW-Hilfen

Trotz des Absage des Bundes dringt Insolvenzverwalter Geiwitz weiter auf Kredite der KfW. Auch Baden-Württemberg hält das Nein nicht für das letzte Wort. Die 12.000 Mitarbeiterinnen zittern weiter.
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StuttgartSchlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz dringt auf rasche staatliche Hilfe durch einen Kredit der Förderbank KfW. „Das muss diese Woche entschieden werden“, sagte er der „Financial Times Deutschland“. „Ich brauche noch keine Auszahlung, aber eine belastbare Zusage.“

Auch ein Lohnverzicht der verbleibenden Beschäftigten der insolventen Drogeriekette müsse kurzfristig beschlossen werden. Dazu müsse es bis nächste Woche eine Entscheidung geben. Ohne diese beiden Bedingungen würde die Investorensuche gefährdet, mahnte Geiwitz dem Blatt zufolge.

Es liefen bereits Vorgespräche mit ernstzunehmenden Interessenten, sagte er laut „Süddeutscher Zeitung“. Schlecker benötige etwa 75 Millionen Euro für eine Transfergesellschaft nicht als Zuschuss, sondern als Überbrückung, bis das Kerngeschäft in einigen Monaten wieder laufe. „Das wäre kein unzumutbares Risiko für den Steuerzahler“, sagte Geiwitz.

Bei Schlecker steht bundesweit ein Abbau von 12.000 der 33.000 Stellen bevor. Um die vom Arbeitsplatzverlust bedrohten Mitarbeiter in einer Auffanggesellschaft unterzubringen, will Geiwitz bei der KfW einen Überbrückungskredit einholen.

Das Land Baden-Württemberg hält das Nein des Bundes zu den Hilfen nicht für das letzte Wort. „Wir nehmen das Nein nicht einfach so hin. Der Bund macht es sich zu einfach, wenn er ein KfW-Darlehen aus rein formalen Gründen ablehnt“, sagte Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) am Montag in Stuttgart. Nach der Absage von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sei nun Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gefragt. Sie müsse zeigen, ob es ihr mit der Hilfe für die betroffenen Beschäftigten ernst ist. „Die Bundesregierung muss mit einer Stimme sprechen und klarstellen, ob sie helfen will oder nicht“, forderte Schmid.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte am Wochenende den Ball an das Land zurückgespielt und erklärt, der Konzern aus Ehingen erfülle die Kriterien nicht. Die Kredite der KfW seien auf kleine und mittelständische Firmen ausgerichtet. Baden-Württemberg müsse nun mit den anderen Bundesländern über mögliche Finanzhilfen verhandeln.

Der Insolvenzverwalter will für die 12.000 Mitarbeiter der Kette, die Ende März ihre Jobs verlieren sollen, eine Transfergesellschaft aufbauen, um ihnen den Übergang in andere Beschäftigungsverhältnisse zu erleichtern. Laut Unternehmen wäre dafür eine Summe von 70 Millionen Euro erforderlich. Bundesweit sollen etwa 2400 der derzeit noch rund 5400 Schlecker-Filialen dicht gemacht werden.

Schmid sagte: „Die Zeit für die Gründung der Transfergesellschaft drängt: Die KfW-Zwischenfinanzierung wäre die Lösung, um zu verhindern, dass die Mitarbeiterinnen direkt in die Arbeitslosigkeit fallen.“ Auch die Gewerkschaft Verdi hat die Hoffnung nicht aufgegeben. „Ich setze darauf, dass hier geholfen wird im Sinne einer Transfergesellschaft, einer Bürgschaft, eines Kredits seitens der KfW“, sagte Gewerkschaftschef Frank Bsirske im ARD-„Morgenmagazin“. Die Bundesregierung habe dazu die Möglichkeit mit einer Ausnahmegenehmigung, einer Anweisung an die KfW. „Das hat es in früheren Fällen - Stichwort EADS - auch schon gegeben.“ Die Verdi-Bezirksleiterin im Südwesten, Leni Breymaier, zeigte sich empört über die Absage des Bundes. „Was wir bei dieser einmaligen Insolvenz erleben müssen, ist der Unterschied zwischen Marktwirtschaft und sozialer Marktwirtschaft.“ Sie kündigte ein Gespräch mit Vertretern der grün-roten Landesregierung an diesem Dienstag (13.3.) an.

Verdi ist an den Gesprächen über den Sozialplan für die 12.000 Beschäftigten von Schlecker beteiligt, die bis Ende März ihre Jobs verlieren sollen. Breymaier hält die Erklärung der KfW, Schlecker erfülle als großes Unternehmen die Kriterien nicht, für vorgeschoben. „Der Konzern Schlecker wurde geführt wie ein Kleinunternehmen.“ Das deutsche Wirtschaftsrecht habe dies zugelassen, zulasten von 30.000 Beschäftigten. Und jetzt verweigere der Bund jegliche Unterstützung ausgerechnet mit dem Hinweis, nur für kleine und mittlere Unternehmen zuständig zu sein.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Aus meiner Sicht sind Staatshilfen absolut abzulehnen.

    Mit welchem Recht sollen Schlecker-Mitarbeiter (deren Arbeit ich sehr schätze) eine Extrawurst erhalten ? Wenn andere Firmen pleite gehen und Leute entlassen dann müssen diese Arbeitnehmer sehen, wo sie bleiben. Dies muss auch für die Betroffenen bei Schlecker gelten.

  • man sollte den großen mal den job einfach mal weg nehmen, mal sehen wie die über die runden kommen, für alles sind Gelder da,den oberen ist es doch egal wie der kleine damit fertig wird.am liebsten ist es ihnen doch man kommt angekrochen un wimmert wie ein kleiner hund den man dann einfach wegtreten kann. ich sag nur schämt euch.

  • Ich kann dieses ,tut mir leid aber ich kann es nicht anders ausdrücken, saudummes Gesülze irgendwelcher Superstars über Schleckermitarbeiter oder ähnliches nicht mehr hören. Ich empfehle diesen "Experten" dass sie sich mal 2 Wochen in einen Laden stellen und dann solche Typen wie sie selber es sind bedienen. Auch finde ich dieses pseudointellegente Gespräch über Staatshilfen und Firmeninsolvenzen dumm bis dämlich. Vielleicht sollte man sich erst einmal ein wenig informieren, bevor man hier so losledert. Mir jedenfalls tun die Mitarbeiter sehr leid und ich hoffe, dass wir in Deutschland noch soviel Solidarität aufbringen, um zu akzeptieren, wenn Schlecker geholfen wird. Hier geht es um die Mitarbeiter und nicht um die Familie Schlecker und deren elitären Verhaltensweisen.

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