Easyjet feiert Jubiläum
Warum die billigen Briten so erfolgreich sind

Während Air Berlin ums Überleben kämpft, eilt der britische Billigflieger Easyjet zum 20jährigen Jubiläum von Rekord zu Rekord. Ein Erfolg, der vor allem auf einem klaren Geschäftsmodell beruht.

LondonDie große Show ist nicht die Sache von Carolyn McCall. Die Vorstandschefin des größten britischen Billigfliegers Easyjet gibt sich britisch zurückhaltend und stets bis in die Spitzen ihrer schulterlangen, brünetten Haare seriös. Doch anlässlich der Feier des 20jährigen Jubiläums der Airline greift auch die die 53-Jährige in die Vollen.

Eine große Bühne ist in einem Hangar am Airport London-Luton aufgebaut, Crewmitglieder aus vielen europäischen Ländern schreiten unter den Klängen lauter Rockmusik auf einem Laufsteg zum Podium und selbst die nüchterne McCall wird etwas pathetisch. „Die Art zu Fliegen hat sich in den letzten zwanzig Jahren grundsätzlich gewandelt“, ruft sie den versammelten rund 400 Gästen zu. „Und diese Revolution hat nur wenige Meter von hier begonnen“, fügt sie mit Blick auf die Easyjet-Firmenzentrale am Airport hinzu.

Es ist ein Jubelauftritt, den sich die Britin allerdings leisten kann. Denn zusammen mit Ryanair hat sich Easyjet in den vergangenen Jahren zum Schrecken der etablierten Konkurrenz entwickelt.

Billig, aber erfolgreich. Die Feier in der Easyjet-Firmenzentrale markiert nicht nur das neue Selbstbewusstsein der europäischen Billigflieger. Sie ist auch eine Kampfansage an die deutsche Konkurrenz von Lufthansa und Air Berlin. Denn die britische Fluglinie, die inzwischen 60 Millionen Passagiere pro Jahr befördert, hat ein klares Ziel: In Europa weiter massiv zu wachsen – und das im Zweifelsfalle auch auf Kosten der etablierten Wettbewerber.

Denn längst haben die Briten nicht mehr nur den Schnäppchenjäger als Kunden im Visier. Auch Geschäftsleute werden inzwischen unverhohlen von den Briten umworben. Doch der Erfolg, der Airline, die in den letzten Jahren von Rekord zu Rekord eilt, liegt vor allem in einem klaren Geschäftsmodell begründet.

„SleazyJet“ (Schleimiger Jet) spotteten viele 2010, als McCall die Fluggesellschaft übernahm, über die notorisch unpünktliche Airline: fast die Hälfte der Flüge erreichte damals das Ziel mit größerer Verspätung. Doch die Branchenfremde, die zuvor Managerin des britischen Medienhauses „Guardian“ war, krempelte Easyjet um und drehte das Geschäftsmodell in Richtung Edeldiscounter: Sie führte Sitzplatzreservierung gegen Gebühr ein, lockte Geschäftsreisende mit gegen Aufpreis flexibel umbuchbaren Tickets und pochte auf freundlicheren Service – aber all das zu weiter günstigen Preisen.

Mit Erfolg: Zwischen 2010 und 2014 stieg die Zahl der Easyjet-Passagiere um rund ein Drittel und die Marktkapitalisierung der Airline ist heute mit 9,85 Milliarden Euro höher als die der Lufthansa.

Seite 1:

Warum die billigen Briten so erfolgreich sind

Seite 2:

Warum Deutschland im Billigflug-Segment aufschließen wird

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%