Einzelhändler
Zeit zum Handeln

Bei den einst so biederen deutschen Einzelhändlern sind attraktive Karrierewege mittlerweile selbstverständlich. Auch die Krise bremst diese Möglichkeiten bisher kaum. Onlinehäuser und Discounter wachsen, auch die Logistik bietet noch attraktive Stellen.

HB. Wenn Stephan Lueger ausgeht, hat er die Lacher meist auf seiner Seite. Die Prager Freunde des 32-jährigen Controllers quittieren seine Versuche, sich in der Sprache seiner Wahl-Heimat zu artikulieren, mit Heiterkeit. Der gebürtige Niederrheiner ist für den Handelskonzern Metro in die tschechische Republik gezogen. Die Sprache ist das einzige, das ihn noch fremdeln lässt. Ansonsten hat sich der Leiter eines vierköpfigen Teams der Abteilung "Business Support" der tschechischen Tochter von Metro Cash & Carry gut eingewöhnt. Dabei war es zu Beginn ein Sprung ins kalte Wasser: "Das war eine neue Abteilung innerhalb des Controllings", sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Dementsprechend unklar war, was ihn erwartete. Aber nach fünf Jahren, die er zuvor für Metro gearbeitet hatte, war das eine willkommene Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen.

Bei den einst so biederen deutschen Einzelhändlern sind attraktive Karrierewege mittlerweile selbstverständlich. Auch die Krise bremst diese Möglichkeiten bisher kaum. Die Vielfalt an Möglichkeiten für Akademiker mit erster Berufserfahrung steigt. Online-Versandhändler handeln sich von einer Rekordzahl zur nächsten, Discounter wachsen wie selten und die klassischen Einzelhandelskonzerne internationalisieren sich. Zwar stagniert die Zahl der Beschäftigten seit Jahren bei 2,7 Millionen. Allerdings verändert sich deren Struktur. Nur sieben Prozent der Beschäftigten haben studiert. Das soll sich ändern, weil die Ansprüche wachsen. Längst bietet der Handel mehr als Tristesse zwischen Konservenregalen und Kassenabschluss.

Wie die neue Handelswelt aussieht, lässt sich bei Amazon beobachten. Mit Packen und Versand ist es bei Deutschlands größtem Onlinehändler schon lange nicht mehr getan. "Zu meinem Tagesablauf gehört alles, was hinter dem Klick auf der Website passiert", sagt Cavit Yilmaz. Der 33-Jährige arbeitet seit drei Jahren bei dem Onlinehaus und führt 36 Mitarbeiter. "Ich war von Anfang an an Prozess- und Führungsentscheidungen beteiligt, habe bei Fragen aber immer auch einen Mentor zur Seite", erzählt Yilmaz. Er ist zum Senior Manager Operation aufgestiegen und hat für seinen Arbeitgeber unter anderem den Standort Leipzig aufgebaut. Von der Personalrekrutierung bis zur Organisation der Logistikprozesse ist der Betriebswirt für eine ganze Reihe von Aufgaben zuständig. Yilmaz wird nicht langweilig: "Da Amazon Deutschland und auch mein Standort kontinuierlich wachsen, stellen sich immer neue Herausforderungen."

50 Mitarbeiter sucht Amazon Deutschland aktuell; vom Einkäufer, über Manager für Partnerprogramme und Logistikern bis hin zu Experten für die Optimierung der Amazon-Seiten für Internetsuchmaschinen. Vor allem Wirtschaftswissenschaftler mit Zahlenaffinität, Auslandserfahrung und erster Berufserfahrung erwecken das Interesse des Unternehmens, das in Deutschland an den Standorten München, Leipzig, Bad Hersfeld und Regensburg arbeitet.

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