Einzelhandel
dm will in Woolworth-Filialen einziehen

Die Drogeriekette dm verhandelt über eine mögliche Übernahme mehrerer Standorte der insolventen Kaufhauskette Woolworth. "Es gibt etliche Woolworth-Flächen, die uns interessieren", sagte dm-Chef Erich Harsch der "Wirtschaftswoche". "Wir haben zwar keine Mietverträge unterschrieben, aber die Gespräche laufen."

HB KARLSRUHE. Dabei gehe es um "keine dreistellige Zahl, wir wollen schließlich keine Überschneidungen mit bestehenden dm-Standorten, aber mehr als ein Dutzend Woolworth-Filialen kommen für dm infrage." Die DWW Woolworth Deutschland GmbH & Co. KG hatte wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Mitte April einen Insolvenzantrag gestellt. Der vorläufige Insolvenzverwalter Ottmar Hermann will das "Kerngeschäft um die Marke Woolworth" sichern und nach früheren Angaben etwa die Hälfte der 311 Filialen des fast 83 Jahre alten Unternehmens erhalten.

Kleine Filialen und deren Beschäftigte sollen überwiegend von Wettbewerbern übernommen werden. Interesse hatten neben dm auch die Drogeriekette Rossmann und der Textildiscounter KiK bekundet.

Die Rettung von Woolworth liegt nach Einschätzung des Gesamtbetriebsrates unterdessen in weiter Ferne. "Das Konzept des vorläufigen Insolvenzverwalters ist die einzige Chance, dass Woolworth am Markt bestehenbleibt. Die Zukunft der Firma hängt jedoch einzig und allein davon ab, ob es einen Investor gibt oder nicht - und bislang gibt es keinen Investor", sagte der Vorsitzende des Gremiums, Carsten Kruse, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Geplant ist daher zunächst eine Transfergesellschaft für die Mitarbeiter.

Es wird damit gerechnet, dass das Frankfurter Amtsgericht in Kürze das Insolvenzverfahren eröffnen wird, weil an diesem Dienstag das Insolvenzgeld ausläuft und sich bislang kein Investor gefunden hat.

Kruse warb für die zunächst für sechs Monate geplante Transfergesellschaft - trotz Einbußen für die Mitarbeiter: "Die Transfergesellschaft ist positiv, vor allem für die soziale Absicherung." Das Rettungskonzept des vorläufigen Insolvenzverwalters Ottmar Hermann sieht vor, dass die Mitarbeiter von Juli an in eine solche Gesellschaft überführt werden, aus der sie ein möglicher Investor wieder herüberholen kann. Dies werde aber zu deutlich schlechteren Konditionen geschehen, beklagte Kruse.

Sozialversicherungspflichtige sollen dann nach seinen Angaben 11,25 Euro Stundenlohn bekommen statt bisher 12,60 bis 14 Euro. Wer auf 400-Euro-Basis beschäftigt ist, soll laut Kruse statt bisher bis zu 7 Euro pro Stunde nur noch 6,50 Euro bekommen.

"Dieses Lohnniveau ist für uns nicht akzeptabel, das ist quasi Versklavung", betonte Kruse. Insgesamt jedoch zeigte sich der Gesamtbetriebsrat mit dem Zwischenstand zufrieden. "Es waren harten Auseinandersetzungen, wir haben erreicht, was wir erreichen konnten", sagte Kruse. "Der vorläufige Insolvenzverwalter macht eine ordentliche Arbeit. Wir als Mitarbeiter hegen keinen Groll gegen ihn, sondern gegen das alte Management. Hätte das Management auf die Mitarbeiter gehört, hätte es nicht soweit kommen müssen."

Hermann will etwa die Hälfte der Arbeitsplätze retten. Nach neuesten Zahlen beschäftigt das Unternehmen 9300 Mitarbeiter. Laut Kruse sind davon etwa 3500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, der Rest sind Teilzeit- oder Aushilfskräfte. Auch etwa die Hälfte der 311 Filialen des fast 83 Jahre alten Unternehmens sollen erhalten bleiben.

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