Elf Fragen an: Wolfram von Fritsch
„Wir wollen ausgeglichen wirtschaften“

30 neue Projekte und ein Ausbau der Themen Energie und Umwelt sollen das Unternehmen zukunftsfähig machen. Wolfram von Fritsch, Vorstandschef der Deutsche Messe AG in Hannover, spricht im Handelsblatt-Interview über die künftige Ausrichtung seines Unternehmens, Profitabilität sowie den Verzicht auf Stellenabbau.

Welche Rolle spielt Dubai für Sie?

Dubai spielt in der künftigen Ausrichtung der Deutschen Messe AG eine wichtige Rolle. Denn wir werden das Auslandsgeschäft verstärken, um uns breiter und damit krisenfester aufzustellen. Da kommen wir an der Golf-Region und damit an Dubai nicht vorbei. Insgesamt gehen wir dort im Jahr 2010 mit drei Maschinenbau-Messen an den Start, unter anderem der Intralogistikmesse Cemat. 2006 sind wir mit der Domotex dort gestartet.

Wie sieht ihre Auslandsstrategie denn aus?

Wir verfolgen drei Ziele: Erstens werden wir für unsere Messethemen aus Hannover neue Märkte erschließen. Die Cemat ist dafür ein gutes Beispiel. Sie findet als Weltleitmesse alle drei Jahre in Hannover statt und außerdem bereits in China und Indien. Nun gehen wir damit nach Moskau und eben Dubai. Außerdem werden wir im Ausland zusätzliche Standorte bespielen. So werden wir in Indien neben Bangalore in diesem Jahr auch Messen in Mumbai ausrichten. Daneben werden wir - drittens - neue Themen aufgreifen, die wir im Inland bislang nicht haben. So zum Beispiel in diesem Jahr die Aluminiummesse Aluexpo und die Bergbau-Zubehörmesse Aggregates Live in der Türkei.

Wie wichtig sind dabei Partnerschaften?

Sehr wichtig. In der Türkei haben wir Partner für die einzelnen Veranstaltungen. Mit der Fiera Milano haben wir gerade unsere Zusammenarbeit auf Indien ausgedehnt. Die Kooperation begann 2008 in China.

Wird die Kooperation mit Mailand auf Europa ausgedehnt?

Ich schließe nicht aus, dass wir künftig auch über gemeinsame Veranstaltungen in Deutschland oder Italien sprechen.

Sie haben 2008 mit Verlust abgeschlossen. 2009 droht ein Verlust. Müssen Sie sparen?

Im vergangenen Jahr haben wir bei einem Verlust von 14,4 Mio. Euro einen Umsatz von 242 Mio. Euro erzielt. 2009 läuft noch, und wir haben in der zweiten Jahreshälfte zahlreiche wichtige Veranstaltungen, unter anderem die weltgrößte Landtechnikmesse, Agritechnica. Die Cebit hat sich angesichts der Krise und der damit verbundenen Situation der IT-Branche gut positioniert. Und die Hannover Messe ist trotz aller Unkenrufe gut verlaufen und lag auf Vorveranstaltungsniveau. Das war schon eine Überraschung bis Sensation....

Haben Sie mit der Hannover Messe Gewinn erzielt?

Wir sind auch mit der wirtschaftlichen Seite der Hannover Messe zufrieden. Entscheidend ist aber auch, dass wir offenbar auf richtige Themen gesetzt haben, wie beispielsweise erstmals Windenergie. Dennoch haben wir ein umfassendes Zukunftsprogramm aufgelegt, dass neben der Erschließung neuer Geschäftsfelder auch Einsparungen vorsieht. Hallen werden nicht abgerissen. Wir werden die modulare Nutzung des Geländes intensivieren.

Das heißt?

Wir werden das Gelände nicht verkleinern, sondern kleiner bespielbar machen, zum Beispiel wie für den FDP-Bundesparteitag am 15. Mai. Im vergangenen Oktober haben wir einige Tage lang gleichzeitig fünf unterschiedliche Veranstaltungen mit mehreren Hunderttausend Besuchern durchgeführt, ohne dass es zu gegenseitigen Beeinträchtigungen kam. Es gibt nur sehr wenige Messegelände, wo dies so möglich ist. Damit können wir zu den attraktiven Terminen des Jahres mehr Geschäft einwerben.

Von 740 Mitarbeitern sollen 50 gehen, heißt es?

Unser Ziel ist es, mittelfristig die gleiche Arbeit mit weniger Leuten zu erledigen. Wir haben ein Effizienzsteigerungsprogramm „Hermes+“ beschlossen. Wir haben eine Beschäftigungsgarantie ausgesprochen, verzichten aber zunächst auf Neueinstellungen und verlängern befristete Verträge nicht. Gleichzeitig werden 30 neue Projekte auf den Weg gebracht. So werden wir beispielsweise die Themen Umwelt und Energie weiter ausdehnen. Auch gilt es, Messen um Konferenzen und Kongresse anzureichern. Dadurch entstehen auch wieder neue Arbeitsplätze.

Hannover und Niedersachsen greifen Ihnen mit 250 Mio. Euro unter die Arme. Startet damit ein neuer Subventionswettlauf?

Nein, damit haben unsere Anteilseigner nur ihre Beteiligung erhöht, weil sie von der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens überzeugt sind. Eine Kapitalerhöhung ist keine öffentliche Subvention. Dies ist anders zu beurteilen, als etwa Zuschüsse der öffentlichen Hand zum Ausbau von Messekapazitäten, der dann einen Preiskrieg um Veranstaltungen auslöst. Natürlich werden auch wir versuchen, attraktive Veranstaltungen nach Hannover zu holen - aber nicht zu ruinösen Dumpingpreisen, die der Steuerzahler finanziert.

Welche wirtschaftlichen Ziele haben sie sich gesetzt?

Wir wollen in einem Vierjahreszeitraum ausgeglichen wirtschaften.

Das dürfte schwierig werden. Wollen Sie nicht weiter wachsen?

Die Planung läuft ab 2011. Dann dürfte die Finanzkrise Vergangenheit sein. Umsatzsprünge sind nicht geplant. Ein möglichst hoher Umsatz ist nicht die Zielgröße.

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