Ergebnisentwicklung
Profi-Anleger werfen der Deutschen Post Taschenspielertricks vor

Große institutionelle Investoren werfen der Deutschen Post in ungewöhnlich scharfer Form operative Schwächen, eine schwache Ergebnisentwicklung sowie Vernebelungstaktik vor. Von „Täuschung und Tarnung“ ist die Rede. Die Geduld der Aktionäre dürfte bald am Ende sein.

DÜSSELDORF. Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, enthielt sich auf der Hauptversammlung bei der Entlastung des Vorstands sogar der Stimme und zeigte Post-Chef Klaus Zumwinkel damit die „gelbe Karte“. „Wenn wir keine Besserung sehen, werden wir der Post das nächste Mal die rote Karte zeigen“, sagte Fondsmanager Michael Gierse dem Handelsblatt.

„Langsam, aber sicher ist unsere Geduld am Ende und unser Vertrauen erschöpft“, sagte auch DWS-Manager Klaus Kaldemorgen. Wenn der Dax-Konzern nicht rasch profitabler werde, drohe ihm die Zerschlagung, da die Einzelteile des Konzerns mehr wert sein könnten als das Unternehmen als ganzes. Die Ergebnisprognose für 2007 mit einem Plus von lediglich drei Prozent verdeutliche, wie langsam die Post offenbar bei der Restrukturierung und Integration der unterschiedlichen Bereiche und Regionen vorankomme. Kaldemorgen bezweifelte, dass die Post vor dem Hintergrund zahlreicher Probleme ihr mittelfristiges Ergebnisziel von 5,2 Mrd. Euro im Jahr 2009 erreicht. DWS hält 1,8 Prozent der Anteile an der Post und ist damit drittgrößter Investor nach der KfW mit über 30 Prozent und dem US-Investor Capital Research & Management. Union hält 1,6 Prozent der Anteile.

Gierse sagte, der Post-Vorstand male eine rosa Zukunft für die Aktie Gelb, doch die Aktionäre sähen eher rote Zahlen und für die Zukunft schwarz. Die „unschöne Situation“ der Post sei überwiegend auf Versäumnisse des Managements zurückzuführen. Statt gegenzusteuern, werde in einem „nicht mehr zu tolerierenden Ausmaß“ bei den Schwachpunkten getarnt und getäuscht.

Gierse kritisierte, dass das Ergebniswachstum mit dem Umsatzwachstum nicht mithält. Die operative Marge sei 2006 nicht nur deutlich gesunken, sondern liege auch unter derjenigen der Jahre 2004 und 2003. Verglichen mit dem Wettbewerber TNT sei die Marge nur halb so hoch, auch im Paketgeschäft. Gegenüber UPS betrage sie sogar weniger als ein Drittel.

Verantwortlich seien das US-Geschäft und Probleme im deutschen Paketgeschäft. Hier betreibe die Post eine Politik der Vertuschung, kritisierte auch DWS-Geschäftsführer Klaus Kaldemorgen. So würden die Ergebniszahlen aus den USA nicht mehr publik gemacht und das Paketgeschäft sei einfach von der Express- in die Briefsparte umgehängt worden.

So etwas werde am Markt als „Taschenspielertrick“ gesehen, sagten beide Manager, ohne sich abgesprochen zu haben, wie Gierse betonte. Ebenfalls verwirrten die immer wieder auftauchenden „sonstigen betrieblichen Erträge“ in Milliardenhöhe, ohne die die Gewinne in den letzten Jahren noch bescheidener ausgefallen wären.

Gierse wundert sich auch über die jährlich verbuchten 500 Mill. Euro an Rechts-, Beratungs- und Prüfungskosten. Die Post habe entweder zu viel Geld oder etwas zu kaschieren, was diese Investition lohne. Gegenüber dem Handelsblatt sagte eine Post-Sprecherin, dass es sich dabei um eine Altlast aus der Zeit der großen Übernahmen handele: „Wir arbeiten daran, dies erheblich zu reduzieren.“

Eines der hinzugezogenen Beratungsunternehmen ist McKinsey – die Unternehmensberatung bei der die meisten Postvorstände, so auch Klaus Zumwinkel, ihre Karriere begonnen haben.

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