EU-Kommission
Lobby der Wirtschaftsprüfer ist erfolgreich

Strengere Regeln für Wirtschaftsprüfer hat die EU-Kommission verworfen. Dabei hatte sie einst so manches geplant, zum Beispiel eine neue Honorarordnung. Doch davon ist keine Rede mehr, die Lobbyarbeit hat sich gelohnt.
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FrankfurtHeftige Reaktionen löste EU-Kommissar Michel Barnier aus, als er im Oktober 2010 sein Grünbuch zur Abschlussprüfung vorstellte. Seine Mission: Die Abschlussprüfer nach der Finanzkrise enger an die Leine nehmen und die Marktmacht der großen vier Gesellschaften Deloitte, PwC, Ernst & Young und KPMG aufbrechen. Mit seinen Vorschlägen versetzte er die Branche in helle Aufregung.

Doch nun zeichnet sich ab: Die Lobbyarbeit der Wirtschaftsprüfer hat sich gelohnt. Große Umwälzungen bleiben der Branche wohl erspart – etwa eine europaweite Honorarordnung. Dies zeigt ein Bericht des Europäischen Parlaments.

„Viele Extremmaßnahmen aus dem Grünbuch sind in diesem Bericht nicht mehr enthalten“, sagt Klaus Heininger von der Prüfungsgesellschaft Falk & Co. Auch PwC-Vorstandssprecher Norbert Winkeljohann zeigt sich zufrieden: „Es freut mich, dass sich die Diskussion der letzten Wochen deutlich versachlicht hat und die Vorschläge aus Wirtschaft und Wissenschaft ernst genommen werden.“

Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments, das die Gesetzgebungsfunktion hat, hat sich von vielen Vorschlägen der EU-Kommission distanziert, wie der Bericht zeigt. Die Verantwortlichen in Brüssel scheinen die Position zu vertreten, dass staatliche Eingriffe in den Markt nicht unbedingt die Prüferqualität verbessern und den Wettbewerb stärken. So lehnt der Rechtsausschuss es ab, Mandate künftig von einer europäischen Behörde vergeben zu lassen. Und von der geforderten Honorarordnung ist überhaupt keine Rede mehr. Auch der obligatorische Prüferwechsel ist vorerst vom Tisch.

„Ich bin froh, dass der Rechtsausschuss seine Position beim Thema Zwangsrotation geändert hat“, sagt Klaus-Peter Naumann, Vorstandssprecher des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW). „Während in einem Entwurf noch eine verpflichtende Rotation vorgeschlagen wurde, stellt der Rechtsausschuss jetzt klar, dass er die interne Rotation des verantwortlichen Prüfungsleiters einer externen Rotation der Prüfungsgesellschaft vorzieht.“

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  • Und was kommt als nächstes? Heiligsprechung von Hans Tietmeyer? PwC war doch auch schon verantwortlich für die Überprüfung von Sean FitzPatrick bei der Anglo Irish Bank in Irland. Und diese Bilanzfälschung hat den deutschen Steuerzahler doch jetzt schon mehrere Milliarden Euro gekostet. Das Rouletterad hat wirklich kein Gedächtnis ...

  • Die EU hat sich eh erledigt, was sollen also noch solche Artikel.

    Lass die EU doch machen und fordern lassen, was sie will.... ohne die Menschen ist sie Nichts und diese Menschen wachen langsam auf!!

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