Euronext und Nyse
Die Krake aus Übersee

Am Dienstag hatten die Aktionäre der europäischen Mehrländerbörse Euronext für eine Fusion mit der New York Stock Exchange gestimmt. Die dortigen Anteilseigner haben am Mittwoch ebenfalls „Ja“ gesagt. Der Expansionshunger der Amerikaner ist damit aber noch lange nicht gestillt. Experten warnen vor einer US-Dominanz an den Kapitalmärkten. Denn die hätte weit reichende Folgen.

ali/tor/HB NEW YORK/PARIS. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung in Amsterdam votierten am Dienstag 98,2 Prozent der Anteilseigner für den Zusammenschluss. Ihre US-Kollegen stimmten sogar mit 99,7 Prozent für die Börsenehe. Durch die Fusion entsteht mit einem Marktwert von 30 Mrd. Dollar (22 Mrd. Euro) die mit Abstand größte Börse der Welt. Sie wird Standorte in New York, Paris, Amsterdam, Brüssel, Lissabon und London haben. 80 der 100 weltgrößten Unternehmen sind dort notiert.

Mit dem „Ja“ von beiden Seiten sind die Chefs der beiden Börsen nach langem Tauziehen am Ziel: Euronext-Chef Jean-François Théodore wird zum Architekten des ersten großen transatlantischen Börsenbündnisses. Und Nyse-Chef John Thain hat endlich einen Brückenkopf der US-Börse in Europa.

Experten warnen vor der amerikanischen Vorherrschaft in der globalen Börsenlandschaft. Denn auch die US-Technologiebörse Nasdaq buhlt derzeit um eine europäische Börse – die London Stock Exchange, an der die Amerikaner schon fast 30 Prozent besitzen. Und Nyse-Chef John Thain macht keinen Hehl daraus, dass er bereits weiterdenkt. „Der nächste logische Schritt für uns wäre eine Ausweitung in einen weiteren Währungsraum“, sagt er in Anspielung an die Tokioter Börse. Erste Gespräche haben bereits stattgefunden. In drei bis fünf Jahren soll es so weit sein. Weitere Brückenköpfe seien in Indien und China vorstellbar. „Die Kapitalmärkte rücken immer enger zusammen, und die Börsen folgen diesem Trend“, begründet Thain den Expansionsdrang.

Noch in den vergangenen Tagen hatten zahlreiche Aktionäre der Euronext die Bedingungen des Zusammenschlusses kritisiert. Da die Nyse-Aktionäre rund 60 Prozent an der neuen Gesellschaft haben werden, sehen viele in der von Théodores orchestrierten Fusion eine Übernahme des europäischen Börsenbetreibers durch die Amerikaner. Zudem befürchten viele, dass durch die Hintertür das strengere US-Aktienrecht in Europa Anwendung finden könnte. Besonders umstritten ist das so genannte Sarbanes-Oxley-Gesetz. Es zwingt börsennotierte Unternehmen in den USA, kostspielige interne Kontrollsysteme einzuführen.

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