Eurowings, Ryanair, Easyjet
Der Siegeszug der Billig-Airlines geht weiter

Europas Luftverkehr wächst nur noch im Billigsegment. Der Wettbewerb ist intensiv, so dass sich die Passagiere über sinkende Preise freuen können. Auch die viel bestreikte Lufthansa mischt kräftig mit.

Köln/FrankfurtDie Billigstrategie von Lufthansa-Chef Carsten Spohr sorgt für mächtig Ärger bei den Mitarbeitern - Streiks von Piloten und Flugbegleitern sind die Folge. Für Schnäppchen-Jäger unter den Flugreisenden sind die Zeiten dagegen so gut wie schon lange nicht mehr. Nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gibt es in Deutschland so viele Billigflugverbindungen wie nie zuvor - nicht zuletzt durch die Verschiebung von Strecken der Lufthansa zur Tochter Germanwings.

Die Zahl der Billigflugstrecken in und ab Deutschland stieg demnach im Sommer auf den Rekord von 754 Verbindungen. Zugleich sorgt der wachsende Wettbewerb der Günstigflieger auf beliebten Strecken für sinkende Preise, wie aus dem DLR-Low-Cost-Monitor hervorgeht.

Vor allem der europäische Billig-Primus Ryanair geht einmal mehr in die Offensive. „Diese Gesellschaft bietet in letzter Zeit verstärkt Flüge von größeren Flughäfen an“, sagt Peter Berster vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr. So wurde inzwischen beispielsweise Stuttgart in den Flugplan der Iren aufgenommen. Aus Lübeck zog sich Ryanair zurück und bietet stattdessen Flüge vom Hamburger Airport an. In ihrem Expansionsdrang kommt Ryanair unter anderem mit innerdeutschen Verbindungen zwischen Köln und Berlin der Germanwings und der angeschlagenen Air Berlin in die Quere.

Aber auch andere Günstiganbieter bauen ihr Angebot aus wie Flybe, Easyjet und Norwegian in Düsseldorf und Hamburg, so die DLR-Studie. Flugreisende freuen sich über mehr Angebote und sinkende Preise. Ein einfacher Flug der Billiganbieter einschließlich Steuern und Gebühren kostet im Herbst laut DLR im Schnitt zwischen 45 und 115 Euro - je nach Vorausbuchungszeitraum. Vor einem Jahr waren es noch zwischen 70 und 140 Euro. Der Wettbewerb in Verbindung mit den aktuell niedrigen Kerosinpreisen führe zu deutlichen Preisrückgängen.

Die Antwort der Lufthansa auf diese Entwicklung: Kosten senken und das Billigsegment ausbauen. Wer in Europa beim Wachstum der Branche dabei sein wolle, müsse zwangsläufig auf die Punkt-zu-Punkt-Verkehre setzen, hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr noch am Mittwoch in Frankfurt bekräftigt. Mit mittlerweile 300 Zielen im Sommerflugplan habe Germanwings ihre Spitzenstellung im deutschen Low-Cost-Verkehr ausgebaut, bescheinigt die DLR.

Der Lufthansa-Konzern will seine insgesamt führende Position in Deutschland nicht nur halten, sondern ausbauen. Die durchaus erfolgreiche Marke Germanwings geht zum Jahreswechsel in der europäisch gestrickten Eurowings auf. Sie soll im Lufthansa-Kernmarkt - Deutschland, Österreich, Schweiz, Belgien - mit zunächst knapp 100 Jets größter Billigflieger und in Europa nach Ryanair und Easyjet die Nummer drei werden.

Die neue Eurowings ist keine einheitliche Fluggesellschaft mehr, sondern eine Plattform, unter deren Dach eine Vielzahl von Gesellschaften im scharfen internen Kostenwettbewerb agieren kann. Piloten und Crews können zudem von Dritten angeheuert werden. Die neuen Eurowings-Langstrecken werden beispielsweise von Sun-Express-Piloten in Flugzeugen der Lufthansa Cityline geflogen. Das sorgt für großen Ärger bei der Pilotengewerkschaft VC und der Flugbegleitergewerkschaft Cockpit.

Wegen der anhaltenden Tarifkämpfe mit den deutschen Gewerkschaften ist zudem geplant, Germanwings-Jets schrittweise zu einer eigens gegründeten Eurowings-Tochter in Österreich zu verlagern, sobald die teuren Piloten zur Lufthansa-Kerngesellschaft versetzt werden können. Innerhalb von zwei Jahren soll die Gesellschaft auf etwa 20 Flieger angewachsen sein, die mit möglichst kostengünstigen Crews in ganz Europa unterwegs sein werden.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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