Ex-Bahnchef rechnet ab
Mehdorn attackiert Bahn-Politik

Vor einem Jahr hat sich Hartmut Mehdorn in den Ruhestand verabschiedet, jetzt rechnet der frühere Bahn-Chef ab – mit der Regierung, mit Nieten in Nadelstreifen, Frauenquoten und seinem fast tödlichen Absturz.
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DüsseldorfAls er selbst noch Bahn-Chef war, legte sich Hartmut Mehdorn mit so ziemlich allen an, die seine Strategie kritisierten. Damals sollte der Top-Manager den Schienen-Konzern reif für die Börse machen, scheiterte aber 2008 kurz vor dem Ziel – auch weil dann die Finanzkrise ausbrach.

Doch die Bahn lässt ihn nicht los: Das Thema Privatisierung sei hier zu Lande mittlerweile „ein Tabu geworden. Da schalten alle den Verstand aus, sobald nur der Begriff fällt. Den ursprünglichen Auftrag der Bahn-Reform kennt heute keiner mehr“, klagt er im Interview mit dem am Freitag erscheinenden Handelsblatt Magazin, in dem Mehdorn nicht nur mit der aktuellen Bahn-Politik der Regierung abrechnet.

Vor einem Jahr hat der Manager sich in den Ruhestand verabschiedet – nach letzten CEO-Posten bei Air Berlin und schließlich beim Berliner Pannen-Flughafen BER. Doch die Bahn, die er ein Jahrzehnt lang geführt hat, lässt den 73-Jährigen nicht los.

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  • „Die Bahnhöfe hätten die Sanierung bis heute dringend nötig. Der Bund kann sich die Bahn schlicht nicht leisten. Ebenso wenig wie seine Straßen“, schimpft Mehdorn, den der kurz vorm Ziel gescheiterte Börsengang noch immer wurmt: „Wenn Lehman Brothers ein paar Monate später pleitegegangen wäre, hätte es gereicht. Am Einfluss des Bundes hätte der Börsengang gar nichts geändert, aber uns hätte er fünf Milliarden Euro gebracht für die Sanierung der Bahnhöfe – und die Bahn weit nach vorn!“, sagt er dem Handelsblatt Magazin.

    Als Manager ist Mehdorn immer dahin gegangen, wo’s wehtut. Er sei eben schon früh einer von denen gewesen, die geholt werden, „wenn es irgendwo brannte. Dann muss man eben auch die Hitze aushalten.“ Empfand er sich als Feuerwehrmann? „Ich habe manches Feuer löschen müssen, ja. Leider erlebt man als Krisenmanager in der Regel wenig Dankbarkeit.“

    Probleme müsse man aber „sofort lösen, wenn sie entstehen. Sonst werden sie nur größer. Also war meine Devise immer: Nur keinen Streit vermeiden! Wenn es rumste, rumste es eben gleich.“

    Er selbst musste schon als Luftfahrt-Manager bei der einstigen Dasa bisweilen komplette Werke schließen. Wie man das mit Anstand macht? „Indem man mit den Mitarbeitern redet und ihnen die Gründe erklärt. Schön ist das nicht, aber manchmal notwendig, ja: unausweichlich. Sie müssen sagen, was Sache ist. Mit Wattebäuschchen kann man keine Sanierung durchziehen. Die ist aber oft nötig, um das große Ganze zu retten.“

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    Teamleader statt Patriarch

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