Familienaktionäre leisten Widerstand
Bieterkonsortium für Sainsbury zerfällt

Die Bemühungen von Finanzinvestoren um den britischen Supermarktkonzern Sainsbury scheinen am Widerstand großer Aktionäre zu scheitern. Nach Angaben aus Finanzkreisen sind vor allem die Familienaktionäre nicht bereit, ihre Papiere für weniger als sechs Pfund je Aktie zu verkaufen. Zu guter letzt laufen Konsortialführer CVC nun auch noch die Verbündeten weg.

HB / dih LONDON. Schon das aktuelle Angebot war den meisten Mitgliedern des Bieterkonsortiums zu hoch. Nach Angaben aus den Kreisen sind die Private-Equity-Häuser Blackstone und Texas Pacific ausgestiegen, bevor Konsortialführer CVC sein Gebot von 5,62 auf 5,82 Pfund je Aktie erhöht hat. Die meisten Analysten geben der Offerte nun keine große Chance mehr. Die beteiligten Unternehmen wollten sich zu den Informationen nicht äußern.

Die Offerte der Private-Equity-Gruppe für die drittgrößte britische Supermarktkette hatte Anfang Februar die öffentliche Diskussion um die wachsende Macht der Finanzinvestoren angeheizt. Eine Übernahme von Sainsbury würde mit dem gleichzeitigen Griff von KKR nach der Drogeriekette Alliance Boots um den Titel des größten europäischen Private-Equity-Deals wetteifern. Beide Offerten laufen auf einen Preis von gut zehn Mrd. Pfund (knapp 15 Mrd. Euro) hinaus.

Das traditionsreiche Einzelhandelsunternehmen hat sich unter der Führung des Vorstandschefs Justin King in den vergangenen beiden Jahren mit Preissenkungen und einer neuen Werbekampagne aus einer Krise befreit. Sein Wert war deshalb an der Börse schon vor der Ankündigung von CVC stark gestiegen. Finanzinvestoren könnten das auf 7,5 Mrd. Pfund geschätzte Immobilienvermögen nutzen, um den Kauf zu finanzieren.

Das größte Hindernis für CVC ist die Gruppe der Familienaktionäre um den früheren Chairman des Konzerns und Forschungsminister David Sainsbury. Die Familie hat sich zwar zu deutlich niedrigeren Preisen von Aktienpaketen getrennt, ist aber nun Kreisen zufolge entschlossen, die restlichen rund 18 Prozent nicht unter sechs Pfund je Aktie abzugeben. Der Meinung sollen sich andere Aktionäre wie der Immobilienunternehmer Robert Tchenguiz, der knapp fünf Prozent hält, angeschlossen haben.

CVC hat informierten Kreisen zufolge angeboten, ein Viertel der Aktien für Aktionäre zu reservieren, die am Unternehmen beteiligt bleiben wollen. 15 Prozent der Papiere sollen für Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Zudem habe der Bieter versprochen, durch Expansion der Kette 16 000 neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Analysten zeigten sich dennoch skeptisch. Das Auseinanderfallen des Konsortiums zeige, dass ein Erfolg immer unwahrscheinlicher werde, sagte Henk Potts, Aktienstratege bei Barclays. Einzelhandels-Analyst Richard Ratner vom Brokerhaus Seymour Pierce schrieb, schon ein Preis von 582 Pence je Aktie scheine sehr hoch: „Man fragt sich, ob die Finanzinvestoren so viel Geld in den Taschen haben, dass sie unbedingt einen Abschluss hinbekommen müssen oder ob hier die Egos das Tempo vorgeben.“ Die Sainsbury-Aktie fiel am gestrigen Dienstag um vier Prozent auf 540 Pence, lag damit aber immer noch um fast ein Drittel über dem Kurs zu Jahresanfang.

Die Chancen für CVC, neue Partner zu finden, sind gering: Schließlich hat die Börsenaufsicht dem Private-Equity-Haus auferlegt, spätestens am Freitag ein formelles Angebot auf den Tisch zu legen.

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