Fashion Week in Mailand
Italien schlägt zurück

Von Paris, London und New York abgehängt: Das will die Mailänder Modewoche nicht auf sich sitzen lassen. Gucci, Prada und Versace drehen daher auf – und junge Labels kämpfen um Aufmerksamkeit.
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MailandDer Saal im Mailänder Sheraton Hotel ist fensterlos, die Wände sind verspiegelt, das gedämpfte Licht lässt nur das Nötigste erkennen. Das Luxuslabel Gucci weiß es, die Ungeduld des Publikums zu nähren, die Erwartungen zu schüren: Dass die große Schau der Frühjahrs- und Sommerkollektion 2014 endlich beginne.

Sie tut es mit einem Paukenschlag. Raum und Zeit scheinen vergessen, als hunderte Augen den makellosen Mannequins folgen. Dezent geschminkt, die Haare streng nach hinten gekämmt, gleiten sie in königlichen Roben den Laufsteg auf und ab: Ballonhosen, sie sich perfekt ums Bein schmiegen, ein festgeschnürtes Dekolleté und buntbestickte Umhänge, die federleicht auf Schultern und Armen liegen. Chefdesignerin Frida Giannini feiert ein Fest der Farben und der Extravaganz.

Damit ist Gucci in diesem Jahr allerdings nicht allein. Auch Prada, Versace oder Armani zeigen sich bei der Mailänder Modewoche einen Tick kreativer, einen Tick pompöser als in den Vorjahren. Der Ehrgeiz steht ihnen auf die Stirn geschrieben. Zusammen mit Modeverband und Stadtrat wollen sie Mailand jetzt zur internationalen Modehauptstadt aufbauen.

Die neue italienische Einigkeit ist dabei auch Antwort auf den Erfolg der angelsächsischen Fashion-Metropolen New York und London. Nicht zuletzt, weil dort alle Beteiligten traditionell an einem Strang ziehen, sind die Schauen zum international beachteten Großereignis lanciert. „Zwischen den Städten herrscht ein Krieg um Aufmerksamkeit“, sagt Armando Branchini, Vizepräsident des italienischen Luxusgüterverbandes Altagamma. Mailand fühlt sich angegriffen und muss nun zurückschlagen.

Für diesen Gegenangriff ist der optimale Zeitpunkt nun gekommen. Denn den Luxuslabeln geht es so gut, wie lange nicht mehr. Durchschnittlich konnten die großen Marken ihren Umsatz vom Krisenjahr 2009 an jährlich zweistellig und im vergangenen Jahr durchschnittlich noch um fast zehn Prozent steigern. Einzelne Marken, wie Prada, Gucci und Versace, schafften auch 2012 zweistellige Zuwachsraten.

So schloss Prada das Geschäftsjahr 2012 mit einem Umsatz von rund 3,3 Milliarden Euro ab, ein Plus von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Marke rückt damit ein weiteres Stück näher an Spitzenreiter Gucci heran, der 2012 weltweit 3,63 Milliarden Euro umsetzen konnte, und damit zum Vorjahr noch 15,8 Prozent zulegen konnte. Eine Liga darunter spielt Versace, deren Umsatz sich in 2012 noch auf rund 408 Millionen Euro belief. Doch auch diese Marke konnte sich im Vergleich zu 2011 um 20 Prozent steigern.

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