Fernbus-Verkehr
An den Rand gedrängt

Seit der Weg frei ist für Fernbusse, wittern immer mehr kapitalstarke Player das große Geschäft. Aldi, Bahn und Post schieben sich in den Markt und drängen die kleinen Start-ups an den Rand. Der Preiskampf ist eröffnet.
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DüsseldorfKein Durchkommen mehr: Die Bushaltestellen an der Südseite des Frankfurter Hauptbahnhofs sind überfüllt. Riesige hochmoderne Fernbusse bahnen sich mühsam ihren Weg durchs Verkehrschaos. Um den Parkplatz herum wimmelt es von Straßenbahnen, Taxis, Fußgängern, Radfahrern und Autos. Haltebuchten gibt es nicht, nur Busstreifen. Gruppen mit viel Gepäck stehen auf den Gehwegen – Bänke oder gar Unterstellmöglichkeiten bei Regen suchen die Fahrgäste vergeblich.

Ähnlich problematisch ist es in Köln. „Für mich war es gar nicht so leicht zu erkennen, welche Linie überhaupt wo hält“, sagt die Studentin Saija L., die von Köln nach Frankfurt gefahren ist. „Da gerät man schnell in Panik, weil man seinen Bus nicht verpassen will.“ Das Gedränge ist das Symptom einer Branche, die im Zeitraffer wächst. Seit der vollständigen Liberalisierung des Fernbusverkehrs zu Jahresbeginn wird es an Deutschlands Busbahnhöfen immer enger und so schnell wird sich wohl auch keine Lösung finden.

„Gut ausgebaute Haltepunkte für Fernbusse gibt es derzeit nur in Hamburg, München und am Alexanderplatz in Berlin,“ sagt der Geschäftsführer von Flixbus, Jochen Engert. „Frankfurt und Köln sind die problematischsten Haltepunkte. Dort herrscht teilweise wilder Westen.“ Es gibt immer wieder Revierkämpfe: Zwischen den Busfahrern, die ihre Ruhe- und Lenkzeiten streng einhalten müssen und nicht der Konkurrenz Platz machen wollen. Oder Fahrer, die Stress mit Autofahrern haben, die die Fläche zuparken. Das ist alles erst der Anfang. Denn wie im Goldrausch stürzen sich Unternehmen auf die Gäste, die wegen Unpünktlichkeit, mangelndem Service oder hohen Preisen von der Bahn abgeschreckt werden. So hat sich die Zahl der Fernbusstrecken innerhalb Deutschlands von gerade einmal 86 Linien Ende 2012 bis heute fast verdreifacht. Die Busse treffen auf eine Infrastruktur, die dafür nicht ausgelegt ist. Das könnte zum Hemmschuh für den noch jungen Markt werden.

Unklar sind anscheinend auch die Zuständigkeiten: Während die Busunternehmen über unvorbereitete Städte klagen, beschweren die sich über die Vorstellung der Firmen, alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen und weisen die Schuld am Getümmel von sich. Die Übernahme der Kosten für die Infrastruktur zu regeln, habe „der Bund bei seiner Freigabe des Busfernverkehrs vergessen“, sagt Wulfila Walter, Büroleiter des Planungsdezernates der Frankfurter Stadtverwaltung. So würden die Kosten für den Bau und Unterhalt von zentralen Haltestellen an der Stadt hängen bleiben. „Wir versuchen hier eine kooperative Lösung mit den Verantwortlichen zu finden“, sagt Flixbus-Gründer Engert. Doch es tut sich wenig.

Kommentare zu " Fernbus-Verkehr: An den Rand gedrängt"

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  • Vom Handelsblatt bin ich eigentlich bessere Recherche gewohnt:
    Zum Beispiel: München-Berlin und zurück mit dem Bus: 7 Std. und 5 Min. Drei mal ausprobiert. Nicht "über 8 Stunden".
    Oder: Nur am Alexanderplatz gibt es eine einigermaßen gute Haltestellen-Situation. - Hallo!? - Noch nie etwas vom ZOB (Zentralen Omnibusbahnhof) in Berlin gehört? Ist nicht schön und bestimmt verbesserungsbedürftig, aber funktioniert und ist fast genausogut zu erreichen wie der Alex.

  • Die 20g CO2/km werden schon auf eine (??) Person runtergebrochen sein.
    Kein kompletter Reisebus emittiert nur 20g pro Kilometer.
    Vielleicht kann das Handelsblatt nochmal aufklären, was genau gemeint ist.
    Ich vermute 20g CO2 pro Kilometer und Person, bei einer angenommen Auslastung von x Personen pro Reisebus mit y Plätzen.
    Ohne Zweifel ist aber bei entsprechender Auslastung ein Reisebus eine im Vergleich die Umwelt wenig belastende Art sich fortzubewegen.

  • 'Fredi' meint
    ---------------
    Ich finde viele hoheitliche Aufgaben gehören nur in Beamtenhände.
    ---------------

    Personenbeförderung ist mit Sicherheit keine hoheitliche Aufgabe.

    ...

    Abgesehen davon bin ich allerdings der Auffassung, daß das Berufsbeamtentum abgeschafft werden sollte.

    Es ist ein Überbleibsel aus dem Mittelalter, das seine Berechtigung verloren hat.

    Denn während die Beamtenschaft mithilfe ihrer Kumpane in der ebenfalls beamteten Richterschaft nach Belieben ihre Alimentationsansprüche durchdrückt, kann die "besondere Treuepflicht" überhaupt nicht erzwungen werden.

    Die Schlamperei und Mißwirtschaft im öffentlichen Dienst ist nicht zuletzt auf mangelde Sanktionsmöglichkeiten gegenüber den "besonders treuepflichtigen" Beamten zurückzuführen.

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