Fipronil-Belastung
Die wichtigsten Antworten zum Eier-Skandal

Immer wieder sorgen Lebensmittelskandale rund um das Ei für Schlagzeilen. Nun verbannt Aldi die Eier vorerst komplett aus den Regalen. Welche Folgen der aktuelle Gift-Fall für Handel, Bauern und Verbraucher hat.
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Hamburg, DüsseldorfDer Skandal um die mit dem Insektengift Fipronil belasteten Eier weitet sich aus. Fast alle Bundesländer sind mittlerweile betroffen. Am Freitagmorgen nahm der Lebensmitteldiscounter Aldi sämtliche Eier aus seinen Regalen. Welche gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Skandal hat – die wichtigsten Antworten.

Was ist Fipronil?

Fipronil ist ein Insektengift. Es wird etwa gegen Flöhe, Läuse, Zecken, Schaben und Milben eingesetzt. Wenn diese Tiere mit Fipronil in Berührung kommen, sterben sie. Seit 2013 ist das Gift in Europa nur noch eingeschränkt zugelassen. Hierzulande darf es nur in bestimmten Situationen und bei einem akuten Befall angewandt werden – und dann auch nur für einen begrenzten Zeitraum. Fipronil trägt nach Einschätzungen der EU auch zum Bienensterben bei. Wo Lebensmittel hergestellt werden – etwa in Ställen, in denen Hennen Eier legen – ist Fipronil nicht erlaubt. Kommen Lebensmittel mit dem Gift in Verbindung, müssen sie entsorgt werden – so wie jetzt mit den Eiern geschehen.

Wie kam das Gift eigentlich in die Eier?

Offenbar hat ein belgischer Hersteller das Reinigungsmittel „Dega-16“ vertrieben, dem das Schädlingsbekämpfungsmittel beigemischt war. Tierhalter haben das Reinigungsmittel in den Ställen eingesetzt, ohne zu wissen, dass der Stoff enthalten war. Eigentlich beruht „Dega-16“ nur auf ätherischen Ölen wie Menthol und Eukalyptus.

Wie gefährlich ist Fipronil?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – die wissenschaftliche Einrichtung des Landwirtschaftsministeriums – sagt, das Insektengift sei nicht krebserregend und verändere auch nicht das Erbgut. Tests zeigen, dass Fipronil auch keine Allergien und Hautreizungen auslöst. In Tierversuchen wirkte Fipronil toxisch auf das Nervensystem. Erwachsene Tiere trugen aber keine dauerhaften Schäden davon.

Sollte man jetzt keine Eier mehr essen?

Nein – diese Reaktion wäre übertrieben. Ein Erwachsener mit einem Körpergewicht von 65 Kilogramm kann an einem Tag sieben Eier (à 70 Gramm) essen, ehe es ein „erkennbares gesundheitliches Risiko für den Verbraucher“ gebe, heißt es beim BfR. Die Behörde geht davon aus, dass 0,009 Milligramm pro Kilo Körpergewicht unbedenklich sind.

Das Rechenbeispiel beruht auf belgischen Eiern, bei denen ein Fipronil-Gehalt von 1,2 Milligramm pro Kilogramm Ei festgestellt wurde. Bei den in Deutschland betroffenen Eiern liegen die Werte sogar darunter. Sprich: Selbst der Konsum von mehr als sieben Eiern am Tag ist – zumindest was die Fipronil-Menge angeht – unbedenklich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt grundsätzlich, nicht mehr als drei Eier pro Woche zu essen – inklusive der in Nudeln oder Backwaren verarbeiteten.

Auch Kinder können weiter bedenkenlos Eier essen – zumindest in Maßen: Ein rund 16 Kilogramm schweres Kind etwa kann den BfR-Berechnungen zufolge unbedenklich fast zwei Eier pro Tag essen. Und für ein Kleinkind von etwa einem Jahr, das rund zehn Kilo wiegt, ist immerhin noch ein Ei unbedenklich. In den Eier-Konsum sollten auch Produkte eingerechnet werden, in denen Eier verarbeitet sind. Fipronil wird nicht durch Kochen oder Braten abgebaut.

Und auch wenn Menschen mehr Eier gegessen haben sollten – die Behörden sprechen von einer Überschreitung der akuten Referenzdosis –, besteht nach Einschätzungen des BfR „keine konkrete Gesundheitsgefährdung“. Das liegt daran, dass Grenzwerte grundsätzlich immer konservativ gewählt werden, damit sie möglichst sicher sind.

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Bauernverband kritisiert Handelsstopp als überzogen

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