Fraport
Ryanair muss frischen Wind nach Frankfurt bringen

Fraport meldet einen Rekordgewinn für 2016. Doch tatsächlich gewachsen ist der Flughafenbetreiber im vergangenen Jahr nur noch außerhalb der Heimatbasis Frankfurt. Nun ist es an Billigflieger Ryanair, dass zu ändern.
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FrankfurtFraport-Chef Stefan Schulte muss zurzeit einiges einstecken. Sein Werben um den irischen Billig-Anbieter Ryanair mit einem deutlichen Gebührennachlass kommt bei seinen Frankfurter Stammkunden gar nicht gut an. Carsten Spohr, der Chef von Lufthansa, war für die Präsentation der Lufthansa-Bilanz am Donnerstag demonstrativ nach München umgezogen. Doch die Zahlen, die Fraport am Freitagmorgen vorgelegt hat zeigen: Schulte hat Ryanair nicht ohne Grund ans größte deutsche Drehkreuz geholt.

So ist der Flughafenbetreiber an seinem Heimatstandort im vergangenen Jahr geschrumpft. Die Zahl der dort beförderten Passagiere sank um 0,4 Prozent auf knapp 61 Millionen Fluggäste. Zwar zeigte die Tendenz laut Fraport gegen Ende des Jahres wieder nach oben, was Hoffnung für das laufende Jahr macht. Aber als börsennotiertes Unternehmen sollte Fraport-Chef Schulte den Investoren an seinem größten „Produktionsstandort“ eigentlich Wachstum präsentieren.

Schließlich hat er hier viel Geld verbaut. Mit der vierten Bahn hat der Flughafen eine Kapazität von bis zu 85 Millionen Passagieren pro Jahr. Das dafür notwendige dritte Terminal befindet sich bereits in der Vorbereitung. Was fehlt, sind bislang die Passagiere. Selbst die beiden existierenden Terminals sind zurzeit mit ihrer Kapazität von rund 70 Millionen Passagieren nicht ausgelastet.

Fraport kann sein Geschäftsjahr 2016 nur deshalb verhältnismäßig gut abschließen, weil der Betreiber stark im Ausland unterwegs ist. So ist der Umsatz im vergangenen Jahr, rechnet man den Anteilsverkauf der Fraport Cargo Services und den Verkauf der Air-Transport IT Services heraus, um 1,8 Prozent gestiegen. Unter dem Strich erzielte Fraport Erlöse in Höhe von 2,59 Milliarden Euro. Doch das Wachstum kommt vor allem aus den Konzern-Flughäfen in Lima (Peru), Varna und Burgas (Bulgarien), der Tochtergesellschaft Fraport USA sowie Grundstücksverkäufen.

Auch auf Ergebnisseite kann sich Fraport vor allem über seine Aktivitäten jenseits des Heimatstandorts freuen. So legte das operative Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) um 24,2 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro zu. Das lag aber zum einen an Sondererlösen aus einer späten Entschädigungszahlung für das schon vor vielen Jahren fehlgeschlagene Flughafenprojekt in Manila sowie dem Verkauf von 10,5 Prozent der Anteile an der Thalita Trading, der Muttergesellschaft der Betreibergesellschaft des Flughafens Pulkovo in St. Petersburg.

Dank der Entschädigung für das geplatzte Projekt in Manila stand unter dem Strich ein Gewinn von 375 Millionen Euro und damit 36 Prozent mehr als im Vorjahr. Bereinigt stagnierte das Ergebnis und das auch nur, weil die Auslandsbeteiligungen die Ergebnisschwäche in Frankfurt kompensierten.

„Wir werden unsere Strategie, das internationale Geschäft breit aufzustellen, konsequent weiterverfolgen", erklärte Schulte. Doch ohne eine starke Heimatbasis geht es auch nicht. Hier rechnet er mit einem Wachstum der Verkehre von zwei bis vier Prozent. Darin ist dann allerdings auch Ryanair eingerechnet. Die Iren fliegen ab Sommer mit zunächst zwei Flugzeugen, im Winter dann mit sieben. Ryanair-Chef Michael O'Leary kann sich vorstellen, in Frankfurt bis zu 20 Flugzeuge zu stationieren. Schulte dürfte nichts dagegen haben.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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