Freigabe der Ladenöffnungszeiten
Abendzuschläge im Einzelhandel auf der Kippe

In Berlin ist wohl schon im Advent der Einkauf rund um die Uhr möglich. Wenn die Bundesländer die Ladenöffnungszeiten insgesamt wie geplant freigeben will der Einzelhandel auch die Abendzuschläge für Verkäufer abschaffen. Die Gewerkschaft Verdi will sich die Zuschläge aber nicht wegnehmen lassen.

HB BERLIN. Die Arbeitgeber haben den Manteltarifvertrag zum Jahresende gekündigt und wollen mit Verdi über eine Streichung der Zuschläge nach 18.30 Uhr verhandeln, wie der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr, am Dienstag bestätigte.

Der Geschäftsführer für Tarif- und Sozialpolitik beim HDE, Heribert Jöris, hatte dem „Hamburger Abendblatt“ erklärt: „Unser Ziel ist, von diesen Zuschlägen wegzukommen. Sie sind ein Anachronismus aus einer Zeit, als in der Regel noch um 18.30 Uhr geschlossen wurde.“ Der Einzelhandel sei die einzige Branche in Deutschland, die Zuschläge vor 22.00 Uhr zahle.

Zwischen 18.30 Uhr und 20.00 Uhr erhalten Angestellte von tarifgebundenen Unternehmen derzeit eine Zeitgutschrift von 20 Prozent, pro gearbeiteter Stunde also zwölf Minuten. Nach 20.00 Uhr belaufen sich die Extravergütungen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi auf 50 Prozent, die wahlweise als Freizeitausgleich genommen oder ausgezahlt werden können. Diese Regelung wurde nach Angaben des HDE-Sprechers Pellengahr ohnehin wegen des 20-Uhr-Ladenschlusses nur ausnahmsweise angewandt.

Verdi hat Forderungen des Einzelhandels nach einer Abschaffung von Spät- und Nachtzuschlägen strikt zurückgewiesen. Die Gewerkschaft lehne die Streichung oder Kürzung der Zuschläge rundum ab und werde dies bei den anstehenden Manteltarifverhandlungen auch durchsetzen, sagte Verdi-Sprecherin Cornelia Haß am Dienstag. „Offenbar glauben die Arbeitgeber selber nicht an den Erfolg längerer Öffnungszeiten und wollen die damit verbundenen Mehrkosten nun auf dem Rücken der Mitarbeiter wieder hereinholen“, sagte sie. Von den rund 2,9 Mill. Beschäftigten im Einzelhandel seien vermutlich mehrere hunderttausend von einer Kürzung oder Streichung der Zuschläge betroffen. „Für eine Verkäuferin mit einem Bruttoverdienst von 2000 Euro bei Vollzeitarbeit ist das nicht hinnehmbar“, sagte die Gewerkschaftssprecherin.“

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