Fusion mit Nyse in Gefahr
Ein Albtraum - nicht nur für die Deutsche Börse

Eine Börsenfusion würde die Märkte sicherer machen. Leider merken das die Kartellbehörden offenbar nicht. Die Politik tut derzeit alles, um die Deutsche Börse zu schwächen - zum Leidwesen der Allgemeinheit.
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Stellen Sie sich vor, eine der zukunftsträchtigsten Entscheidungen für den deutschen, europäische und amerikanischen Finanzplatz droht zu scheitern und keiner guckt hin. Stellen Sie sich vor, das passiert im Jahr vier nach der Finanzkrise und mitten in einer Schuldenkrise, die durch diese Finanzkrise ausgelöst wurde. Und stellen Sie sich vor, dass diese Entscheidung dazu dient, Finanzkrisen künftig weniger wahrscheinlich zu machen. Und jetzt setzen Sie sich und halten sich fest: Ihre Vorstellung ist nämlich kein Albtraum, sondern bittere Wirklichkeit. Die Fusion von Deutscher Börse und Nyse droht am Veto aus Brüssel zu scheitern. Ja, sind denn diese Wettbewerbshüter von allen guten Geistern verlassen?

Sie sind drauf und dran, der Börse die Luft zum Durchatmen abzuklemmen, die sie dringend braucht. Und sie braucht sie  nicht, um ihre Aktionäre zu befriedigen und eine aufregende Story zu erzählen. Ein sicherer Dax-Wert ist die Deutsche Börse auch ohne Fusion. Sie braucht die Luft viel mehr, um weiter ein gewichtiger Partner für alle jene Banken zu sein, die die Neigung haben, den Handel von Finanzprodukten untereinander im Stillen auszumachen, anstatt ihn über eine dritte Partei, wie es die Börse ist, transparent abzuwickeln.

Genau an diesem Verhalten der Banken entzündete sich die Finanzkrise 2008. Die Gründung alternative Börsen wie Turquoise durch die großen Investmentbanken zeigt, dass deren Neigung, lieber alles unter sich abzumachen, ungebrochen ist. Wenn jetzt die Wettbewerbshüter die Börse schwächen, indem sie ihr den entscheidenden Wachstumsschritt verwehren, haben sie aus der Finanzkrise die falschen Schlüsse gezogen.

Dazu kommt die unselige Diskussion über eine Finanztransaktionssteuer. Sie trifft garantiert nicht die, die sie treffen soll: Nämlich die international agierenden Investoren, deren Geld so viel, aber so flüchtig ist. Diese Anleger weichen mit ihrem Kapital dahin aus, wo es sich am schnellsten vermehrt. Und das wird sicher nicht dort sein, wo es am höchsten besteuert wird. Dafür treffen die Pläne für eine neue Steuer jene hart, die vom Handelsgeschäft leben. Und das ist zum Beispiel die Deutsche Börse. Ein großer Teil ihres Handelsgeschäfts würde dorthin abwandern, wo keine Steuern oder eben nur niedrigere Steuern bezahlt werden müssen. Nach London beispielsweise, zur großen Konkurrentin LSE. Deswegen drängt das Fusionsprojekt. Nur ein ganz großer Börsenkonzern hat den Spielraum habe er, Preise mit seinen Kunden auszuhandeln, die trotz Steuern noch so sind, dass die Kunden nicht auf unregulierte Börsenplätze abwandern.

Für die Wettbewerbshüter in Brüssel heißt das: Auflagen zu machen, die das Monopol in Teilbereichen verhindern, ist in Ordnung. Die Fusion in Bausch und Bogen abzulehnen, bedeutet aber neue Unsicherheit in jenen Märkten zu verbreiten, deren Funktionieren unabdingbar ist, um die Krise zu bewältigen. Sie würden uns allen einen Bärendienst erweisen.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Fusion mit Nyse in Gefahr: Ein Albtraum - nicht nur für die Deutsche Börse"

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  • Ihre Überschrift und Einleitung ist völlig falsch. Es handelt sich um eine schlecht getarnte Übernahme der Deutschen Börse und die daraus folgende Abhängigmachung von der US Börse. Merken Sie eigentlich nicht, daß die US Finanzindustrie gegen uns Krieg führt auf allen Wegen (Euro) und mit allen Mitteln (Fusionen).

  • Das würde keine Fusion, das würde eine Übernahme durch die kleinere NYSE. Siehe den ganzen Kommentar oben von hvh100.

    Das kann niemand in Europa, Deutschland, Hessen und Frankfurt wollen. Das muß unbedingt mit vereinten Kräften verhindert werden.

    Wir brauchen eine wirklich europäische Börse. Die Deutsche Börse ist die letzte bedeutende europäische Kontinentalbörse.

    Euronext hat schon mit der NYSE "fusioniert" und ist nur noch ein ein Schatten ihrer selbst, gesteuert komplett aus New York.

  • Das kann man auch anders sehen. Mit Transparenz hat das Geschehen an den Börsen ohnehin wenig zu tun, und wer bei einer Verlagerung der Handelsvolumen von der EU nach USA profitiert muss wohl nicht extra erwähnt werden.

    Turbulenzen an den Finanzmärkten bleiben erst dann aus wenn folgende Dinge beherzt werden:

    1. Du sollst keine Sachen verkaufen die dir nicht gehören
    2. Du sollst nicht Sachen dein Eigen nennen um die du dich nicht kümmern kannst
    3. Du sollst nich mit Sachen handeln die nicht existieren 4. Du sollst nur mit Sachen handeln die zum gegenwärtigen Zeitpunkt existieren

    Amen

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