GDL gegen Deutsche Bahn
Bahnchefs wollen Streik in letzter Minute verhindern

Um den längsten Streik der Geschichte durchzuhalten, muss die GDL das Streikgeld erhöhen. GDL-Chef Weselsky gibt sich indes generös: Im Falle einer Schlichtung werde man den Ausstand binnen eines Tages beenden.
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Frankfurt/BerlinNeue Entwicklungen im Streit zwischen GDL und Deutsche Bahn: Bahn-Vorstandsmitglied Ulrich Weber will den angekündigten neuerlichen Streik der Lokomotivführer in letzter Minute verhindern. Das kündigte er am Dienstag im ARD Morgenmagazin an: „Wir werden noch im Laufe dieses Tages ab 11 Uhr mit der GDL an einem Tisch sitzen.“ Dazu werde man einen externen Arbeitsrechtler hinzuziehen. „Wir möchten mit dem objektiven Experten darüber reden: Wie kommen wir in die Schlichtung, welche Themen sind der Schlichtung zugänglich.“ Es gehe um die Ausgestaltung von Tarifverträgen, um Konditionen, Geld und Zeit. Er gehe zuversichtlich und mit Kompromissbereitschaft in das angekündigte Gespräch. Auch die GDL müsse ein Interesse an einer Lösung des Konflikts haben.

Wenn es nicht zu einer Einigung kommt, sollen die Lokführer wohl über die Pfingstfeiertage streiken. Der Ausstand mit offenem Ende soll demnach um zwei Uhr in der Nacht zum Mittwoch im Personenverkehr beginnen. Bereits am heutigen Dienstag um 15 Uhr legen die Lokführer im Güterverkehr die Arbeit nieder. Das teilte die Lokführergewerkschaft GDL am Montag in Frankfurt mit. Das Streikende will die Gewerkschaft erst 48 Stunden vorher nennen, ein unbefristeter Streik sei das nicht.

Allerdings räumte GDL-Chef Claus Weselsky – ebenfalls im ARD Morgenmagazin – ein, dass beim Start einer Schlichtung binnen eines Tages eine Lösung gefunden werden könne. Er halte es für möglich, den Arbeitskampf „innerhalb einer kurzen Zeit von zwölf bis 14 Stunden zu beenden“, sagte Weselsky . Bedingung dafür sei aber, dass die Deutsche Bahn die nötigen Grundvoraussetzungen herbeiführe. Die eigentlichen inhaltlichen Fragen des Tarifstreits mit der Bahn seien nicht unlösbar, so der GDL-Chef.

So langsam kommen auch die Gewerkschafter an ihre Grenze. Um den Lohnausfall ihrer streikenden Mitglieder abzufedern, erhöht die GDL laut Weselsky das Streikgeld von 75 auf 100 Euro pro Tag. Lokführer, die fünf Tage streikten, hätten deutlich höhere Entgelteinbußen, als sie aushalten könnten, sagte Weselsky. Bis Dezember hatte es noch bei 50 Euro gelegen.

Trotzdem verzichteten die Lokführer mit jedem Tag im Ausstand auf Einkommen. „Von Streikgeld ist hier in diesem Land noch nie jemand reich geworden“, sagte der GDL-Chef. Vermutungen, die GDL müsse sich die anhaltende Streikbereitschaft ihrer Mitglieder erkaufen, wies Weselsky zurück: „unsere Organisation ist gut aufgestellt und kann den Druck weiter erhöhen“, sagte er.

Die Lokführergewerkschaft bezahlt den Ausstand nicht nur aus eigener Tasche, sondern kann Streikgeldunterstützung beim Dachverband, dem Beamtenbund, beantragen. Bei den bisherigen Streiks sei das auch regelmäßig geschehen, sagte Weselsky. Vor dem letzten großen Streik hatte allerdings Beamtenbund-Chef Klaus Dauderstädt der GDL nahe gelegt, doch einmal über die Schlichtung nachzudenken. „Wenn dieser Streik nicht zu einem Verhandlungsergebnis führt, wird es sinnvoll sein, auf einen unabhängigen Dritten zurückzugreifen“, sagte Dauderstädt damals. Das war als Anzeichen dafür gedeutet worden, dass die Solidarität des Dachverbandes mit den Lokführern langsam bröckelt.

Weselsky betonte aber, der Dachverband stehe weiter zur GDL. Und: „Der Druck aus unserer Mitgliedschaft ist klar und deutlich. Wir sind lange genug verschaukelt worden.“ Es müsse jetzt endlich Fortschritte bei der geforderten Reduzierung der Arbeitszeit und beim Überstundenabbau geben.

Der Inhalt der Streikkasse ist das am besten gehütete Geheimnis einer Gewerkschaft, weil der Arbeitgeber daraus Rückschlüsse auf die mögliche Kampfkraft ziehen kann. Am bisher längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG, der vor gut einer Woche zu Ende gegangen war, hatten sich nach Gewerkschaftsangaben pro Tag rund 3300 GDL-Mitglieder beteiligt – mehr als in den vorherigen Streikrunden. „So lange der Arbeitgeber die Sorgen und Nöte seines Zugpersonals ignoriert, so lange müssen wir uns auch keine Sorgen um die Streikbereitschaft unserer Mitglieder machen“, hatte Weselsky damals erklärt.

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Weselsky: Bahn will gar keine Einigung

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Neuer Rekord-Streik droht

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  • Weselky brüllt ins Megaphon:
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    ■ WOLLT IHR DEN TOTALEN STREIK?
    ■ Die GDL-Mitglieder flüstern zurück: "nein".
    ■ Daraufhin brüllt Weseslky: "WAS WOLLT IHR DENN"?
    ■ Die Mitglieder flüstern wieder: "arbeiten."
    ■ Daraufhin brüllt Weseslky: "MIT MIR NICHT!!!"

    Daraufhin herrschte betretenes Schweigen.
    Und jetzt streiken wir bis zum Sankt Nimmerleinstag. Der DBB zahlt ja das Streikgeld.

  • Alle Räder stehen still - wenn Dein starker Arm das will ....

    Die Weber!

    Ohne Gewerkschaften hätten wir noch heute eine 7 Tage-Woche

  • Ja, Steuervermeidung ist das Einzige was der linken Clique (von KPD bis CSU) weh tut.

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