GDL-Lokführerstreik
100 Millionen Euro Schaden – pro Tag

Der Rekordstreik der Lokführer trifft vor allem die deutsche Auto- und Chemiebranche. Experten erwarten, dass der Ausstand für die Wirtschaft „schmerzhaft und teuer“ wird. Was sonst Geld spart, wird nun zum Problem.
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DüsseldorfDer Rekordstreik der Lokführergewerkschaft GDL kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu stehen: Laut einer Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) könnten die Schäden ab dem vierten Streiktag von einstelligen Millionenbeträgen schnell auf über 100 Millionen Euro täglich steigen. Bei durchgängigen Streiks von mehr als drei Tagen seien in der Industrie Produktionsunterbrechungen zu erwarten.

Die IW-Kostenschätzung berücksichtigt, dass etwa 17 Prozent des gesamten Güterverkehrs über die Schiene laufen. Etwa zwei Drittel davon entfallen auf die Deutsche Bahn. Außerdem gehen die Ökonomen davon aus, dass die Bahn etwa ein Drittel ihrer Transporte durch den Einsatz von verbeamteten Lokführern und Kräften der Konkurrenzgewerkschaft EVG aufrechterhalten kann.

Von den Streiks sind vor allem Unternehmen betroffen, die viel und schwere Güter transportieren: Autobranche, Chemiebranche und Betreiber von Kohlekraftwerken. „Es gibt für Unternehmen in solchen Fällen immer gewisse Puffer und Ausweichmöglichkeiten, aber diese sind begrenzt. Irgendwann laufen die Puffer voll“, warnt Thomas Puls, Verkehrsexperte vom IW.

Beispielsweise werde die Hälfte der Neuwagen ab Werk von der Bahn bewegt. Wenn der Abtransport nicht mehr gewährleistet sei, stauen sich die Autos auf den Stellplätzen, die wiederum nur in begrenzter Zahl vorhanden seien.

Zudem könne es zu Verzögerungen oder Ausfällen bei der Lieferung von Zulieferteilen kommen. Der Autobauer Audi etwa bekomme ganze Motoren aus Ungarn geliefert. Während sich die sogenannten Anpassungskosten in den ersten Tagen noch im Rahmen hielten, könne eine längere Streikperiode in Betrieben mit bahnaffinen Gütern – viel und schwer – zu vollen Lagern führen, woraufhin die Fertigung ins Stocken gerate, so Puls.

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  • Jaja, leben wir Gott in Frankreich. Wie war das noch mal mit der Arbeitslosenquote dort?

  • Warum sollte es mir nicht lieb sein, wenn Züge vollautomatisch fahren würden? Habe dies in Singapur schon erlebt. Keine Lokführer und auch kein Begleitpersonal. Funktionierte prima!

  • Die meisten Foristen haben den Anlass des Streiks nich begriffen.

    Es geht der GDL eben NICHT um mehr Geld, sondern um den Vertretungsanspruch AUF FÜR DIE ZUGBEGLEITER, obwohl diese nur zu ca. 12 - 15 % in der GDL vertreten sind.

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