GDL und EVG uneins
Spitzengespräch bei der Bahn scheitert

Welche Gewerkschaft soll bei der Bahn für wen verhandeln? Darüber streiten GDL und EVG. Am Dienstag trafen sich Vertreter beider Gewerkschaften mit dem Vorstand der Deutschen Bahn. Doch es gab ein Problem.
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BerlinDas Spitzengespräch der beiden Bahngewerkschaftsführer Alexander Kirchner (EVG) und Claus Weselsky (GDL) mit dem Personalvorstand der Deutschen Bahn Ulrich Weber ist am späten Dienstagabend gescheitert.

Die EVG macht die GDL dafür verantwortlich. Am Widerstand der Lokführergewerkschaft sei die Chance vertan worden, „die Spaltung der Belegschaft zu beenden“, bedauert Kirchner in einer ersten Reaktion.

Die Bahn selbst reagiert mit einem Strategiewechsel. Weber kündigte noch in der Nacht an, nun getrennte Tarifverhandlungen mit den beiden Gewerkschaften führen zu wollen. Die Termine dafür stehen auch schon: Freitagmorgen mit der EVG, Freitagnachmittag mit der GDL.

Bislang wollte die Bahn nur Verhandlungen über Tarifforderungen führen, wenn sich die beiden Gewerkschaften auf eine Kooperation einigen. Ziel sollte es sein, „konkurrierende Regelwerke für eine Berufsgruppe zu vermeiden“. Diese Ziel verfolgt die Bahn nach eigenen Angaben jetzt zwar weiter trotz getrennter Verhandlungen. Doch es ist nun schwieriger geworden, zu vergleichbaren Ergebnissen zu kommen.

Vorerst konnte sich GDL-Chef Weselsky durchsetzen. Er hatte eine Unterordnung unter ein „Tarifdiktat“ der viel größeren EVG stets abgelehnt. Damit hatte er auch die Streiks in den zurückliegenden Wochen begründet.

Die GDL will nicht nur wie bislang für die Lokführer der Bahn verhandeln, sondern auch für weiteres Zugpersonal wie Zugbegleiter oder Bordgastronomen. Im Gegenzug wollte nun auch die EVG Verhandlungen für Lokführer führen. Die Bahn wiederum versucht seit Juli, eine Kooperationsvereinbarung vor konkreten Tarifgesprächen zu setzen. Dieser Plan ist nun endgültig gescheitert.

Personalchef Weber begründete die nunmehr beginnenden getrennten Verhandlungen mit „der Verantwortung für unsere Mitarbeiter, die bisher nach einheitlichen Regeln gut arbeiten. Wir brauchen für unsere Kunden und die gesamte Belegschaft jetzt eine vernünftige Lösung und keinen Dauerstreit zwischen zwei Gewerkschaften.“ Der EVG-Vorsitzende Kirchner betonte, seine Gewerkschaft „steht für Tarifeinheit und wird für dieses Ziel mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln kämpfen.“

Bereits im Vorfeld des Spitzengesprächs hatte Kirchner nicht ausgeschlossen, dass nun auch die EVG für ihre Vorstellungen streiken könnte. Am Mittwoch will der Gewerkschaftsvorstand aber erst einmal darüber informieren, wie es weiter gehen soll. Weitere Streiks bei der Bahn sind deshalb zu erwarten. Die Frage ist nur noch, wann.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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