Gescheiterte Fusion
Nyse lässt Deutsche Börse mit Klage allein

Anders als die Deutsche Börse will das US-Pendant nicht gegen die Brüsseler Blockade der geplanten Fusion beider Unternehmen vorgehen. Dies sei nicht „im Interesse unserer Aktionäre“.
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Frankfurt/New YorkDie New York Stock Exchange will im Gegensatz zur Deutschen Börse nicht gegen das Veto der EU gegen die geplante Mega-Fusion beider Unternehmen klagen. Der US-Konzern sei zwar ebenfalls der Meinung, dass die Entscheidung der EU-Kommission auf einer falschen Marktdefinition beruhe, teilte die Nyse am Donnerstag mit. „Wir glauben aber nicht, dass es im Interesse unserer Aktionäre und des Unternehmens ist, ein so langwieriges Klageverfahren anzustoßen.“ In Unternehmenskreisen hieß es, sich in ein mehr als zweijähriges juristisches Gefecht in Europa zu verstricken, sei reine Zeitverschwendung.

Der Schritt kommt überraschend, zumal Nyse-Chef Duncan Niederauer vor der Entscheidung der EU-Wettbewerbshüter wiederholt mit einer Klage gegen ein eventuelles Veto gedroht hatte. Dass der Konzernchef seine Meinung geändert hat, liege auch daran, dass Niederauer gerne die Londoner Rohstoffbörse LME übernehmen wolle - und es sich deshalb nicht ganz mit den EU-Wettbewerbshütern verscherzen dürfe, sagte eine Person aus dem Umfeld der Deutschen Börse zu Reuters. „Niederauer hat stets am lautesten mit einer Klage gegen die EU gedroht. Nun legt er eine Kehrtwende hin, weil er Angst hat, dass ihm Brüssel sonst bei der Übernahme der LME Steine in den Weg legt.“ Die Nyse äußerte sich dazu nicht.

Die Nyse gehört Finanzkreisen zufolge wie die US-Konkurrenten Intercontinental Exchange (ICE) und CME zu den Bietern für die LME, den weltgrößten Handelsplatz für Industriemetalle - und kann dabei keinen Gegenwind aus Brüssel gebrauchen. Niederauer hatte sich wegen seiner wenig diplomatischen Art bereits in den Verhandlungen über die Fusion mit der Deutschen Börse den Zorn vieler EU-Beamter auf sich gezogen, wie mehrere Prozessbeteiligte berichten.

Die Deutsche Börse, die am Montagabend eine Klage gegen das EU-Verbot angekündigt hatte, wollte sich zur Entscheidung der Nyse nicht äußern. Das Unternehmen aus Eschborn bei Frankfurt hat nicht das Ziel, die Fusion im zweiten Anlauf doch noch durchzusetzen, sondern will mit der Klage Klarheit für künftige Übernahmen oder Zusammenschlüsse zu haben.

Das Unternehmen stößt sich vor allem an der Marktdefinition, die die EU bei ihrem Urteil zugrunde legte. Die Wettbewerbshüter hatte bei ihrer Prüfung nur das Derivate-Geschäft an den europäischen Börsen betrachtet und die Fusion verboten, weil Deutsche Börse und Nyse in diesem Bereich über 90 Prozent des Marktes beherrscht hätten. Den außerbörslichen Handel (OTC), der vier Fünftel des gesamten Derivate-Geschäfts ausmacht, sowie die weltweite Struktur des Marktes ließ sie dagegen außer Acht.

Experten halten es für sehr unwahrscheinlich, dass der Europäische Gerichtshof das Urteil der EU-Kommission aufheben wird. Für die deutsche Börse wäre es aber auch schon ein Erfolg, wenn das Gericht Teile der Marktdefinition anzweifelt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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