Gewerkschaft legt nach
Flughafen Frankfurt wird auch am Freitag bestreikt

Der Streik hat noch nicht begonnen, da werden seine Ausmaße schon spürbar. Die Lufthansa streicht über 90 Flüge, der Regionalflughafen Hahn stellt sich auf mehr Arbeit ein. Die Gewerkschaft hat den Streik verlängert.
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Frankfurt/MainDie Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will ihren für Donnerstag geplanten Streik am Frankfurter Flughafen auf den Freitag ausdehnen. „Falls es kein Einsehen gibt, werden wir am Freitag von 8 bis 22 Uhr die Arbeit niederlegen“, sagte GdF-Sprecher Matthias Maas.

Am Donnerstag wollen die rund 200 Beschäftigten, die als Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen oder Flugzeug-Einweiser arbeiten, ab 15 Uhr streiken. Sie wollen damit deutlich höheres Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen. Der Streik soll sieben Stunden anhalten. (Serviceadressen und wichtige Rufnummern für Reisende)

Die Lufthansa streicht wegen des Streiks am Frankfurter Flughafen ihren Flugplan zusammen. Am Donnerstag werden 93 Flüge ausfallen, wie Deutschlands größte Fluggesellschaft am Donnerstag mitteilte. Betroffen seien beinahe ausschließlich Deutschland- und Europaflüge - Langstrecken-Flüge sollten hingegen noch ankommen und abheben können.

Auch auf den zweiten Streiktag bereitet sich die Lufthansa bereits vor. Allein am frühen Freitagmorgen würden bis 7.30 Uhr neun Verbindungen von und nach Frankfurt ausfallen, hieß es. Wie es im weiteren Verlauf des Tages aussieht, verriet die Lufthansa zunächst nicht. Zu den möglichen Flugausfällen bei einer bereits angekündigten Ausweitung des Streiks auf Freitag machte die Lufthansa noch keine Angaben, da noch nicht klar sei, wie viele Slots die Fraport anbieten könne. Laut Flughafen sind in dieser Zeit 1082 Starts und Landungen geplant.

Der Flughafenbetreiber Fraport nannte die Streikandrohung nicht nachvollziehbar und kündigte an, mindestens die Hälfte der Flüge zu gewährleisten. Vorerst werde der Flughafen allerdings nicht versuchen, die Streiks mit einer Gerichtsverfügung zu stoppen - die Möglichkeit halte sich Fraport aber weiter offen, sagte ein Sprecher. Der Flughafen bereitet sich seit Tagen auf den Streik vor und hat zusätzliches Personal für die Jobs auf dem Flugvorfeld geschult. Fraport hofft, dass so mindestens jeder zweite Flug stattfinden kann. Im Schnitt wickelt der Airport täglich 1.300 Starts und Landungen ab.

„Es kann passieren, dass kein Flieger die Position verlässt oder an Position ankommt“, sagte GdF-Bundesvorstand Tarif und Recht, Markus Siebers, am Mittwoch. Er schätzte, dass rund 400 Flüge von dem Streik betroffen sein werden. Das seien etwa 30 bis 40 Prozent des Tagesverkehrs am Flughafen Frankfurt.

Indes richtet sich der mit Verlusten kämpfende Regionalflughafen Hahn im Hunsrück auf arbeitsreiche Tage ein. „Uns liegen Anfragen von Fluggesellschaften vor, die den Flughafen Hahn als Alternative zu Frankfurt nutzen wollen“, sagte eine Sprecherin des rund 100 Kilometer von Frankfurt entfernt gelegenen ehemaligen US-Militärflughafens am Donnerstag. Dabei gehe es sowohl um Fracht- als auch Passagiermaschinen. Hahn habe genügend freie Kapazitäten für Flüge, das Problem sei aber die Abfertigung, erläuterte die Sprecherin. Deshalb könne sie noch keine Angaben dazu machen, wie viele Flüge von Frankfurt in die rheinland-pfälzische Provinz umgeleitet werden könnten.

Fraport hatte in dem schwelenden Tarifkonflikt einen Schlichterspruch des Hamburger CDU-Politikers Ole von Beust abgelehnt und eine nachfolgende Erklärungsfrist der Gewerkschaft verstreichen lassen.

Die Arbeit niederlegen wollen Beschäftigte in den Bereichen Verkehrszentrale, Vorfeldaufsicht und Vorfeldkontrolle. Damit können nur wenige Arbeitnehmer den größten deutschen Flughafen komplett lahmlegen. Das Vorfeldpersonal ist eine kleine, aber entscheidende Berufsgruppe auf den Flughäfen. Es sorgt unter anderem dafür, dass Flugzeuge von ihren Parkpositionen zu den Flugbahnen kommen. Am Frankfurter Flughafen arbeiten rund 200 Beschäftigte in der Vorfeldkontrolle, Vorfeldaufsicht und der Verkehrszentrale. 190 davon sind in der GdF organisiert.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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