Gewerkschaften mit Sparkurs nicht einverstanden
Tui drohen harte Tarifkonflikte

Der Touristikkonzern Tui will die Löhne und Gehälter seiner Mitarbeiter in Deutschland zum Teil um mehr als 20 Prozent senken. Deshalb stehen dem Konzern harte Tarifverhandlungen ins Haus. In Teilen der Gewerkschaften wird sogar über Arbeitskampfmaßnahmen nachgedacht, hieß es am Freitag.

HB HANNOVER. Betroffen sind nach Angaben der bei Tui vertretenen Gewerkschaften sowohl die Flugtochter Hapag-Lloyd Flug als auch Teilbereiche des Veranstalters Tui Deutschland. Die Pilotenvereinigung Cockpit sprach am Freitag von einer sehr schwierigen Situation bei den Tarifgesprächen für die Charter-Fluggesellschaft Hapag-Lloyd Flug.

Das Tarifmodell der Billigflugtochter HLX (Hapag-Lloyd Express) sei keineswegs auf die mehr als 400 Piloten der Chartertochter übertragbar, sagte Cockpit-Tarifexperte Thorsten Gommert. Tui-Chef Michael Frenzel hatte am Donnerstag auf Mallorca angekündigt, die Kostenstrukturen bei Hapag-Lloyd Flug an die der Billigflugtochter HLX anzugleichen. Bis zum Jahresende müsse ein Sparvolumen von jährlich 70 Mill. Euro für Hapag-Lloyd Flug erreicht sein.

Die Gewerkschaften, darunter Verdi und Cockpit, hatten bei HLX im vorigen Jahr niedrigeren Tarifen als bei Hapag-Lloyd Flug zugestimmt. Jetzt werde seit einigen Wochen über die Tarife der Charter-Tochter verhandelt. Aber konkrete Vorschläge gibt es laut Cockpit noch nicht. „Uns wundert, dass Tui uns über die Presse seine Zielvorstellungen mitteilt“, sagte Gommert. „Tui hat bislang überhaupt kein Konzept erkennen lassen. Sparen um des Sparens willen, weil Tui sich unter Druck sieht, machen wir nicht mit“, fügte er hinzu.

Hapag-Lloyd Flug ist mit 33 Maschinen die größte Airline im Tui-Konzern und beschäftigt nach Unternehmensangaben 2 450 Mitarbeiter, davon 437 Piloten. Nach Tui-internen Schätzungen kommt die im vorigen Jahr gegründete Billigtochter HLX mit bis zu 30 Prozent weniger Lohnkosten aus. Die Billigfluglinien seien künftig der Maßstab für alle Airlines im Tui-Konzern, hatte Frenzel erklärt. Beim Konkurrenten Thomas Cook hatten mehrere hundert Mitarbeiter vorige Woche gegen die Stilllegung von mehr als einem Dutzend Flugzeugen protestiert. Auch dort fürchten die Gewerkschaften Pläne für Tarifkürzungen.

Tui hat sich bereits in Großbritannien nach eigenen Angaben mit der dortigen Pilotengewerkschaft auf niedrigere Gehälter bei seiner Flugtochter Britannia geeinigt. Im Tui-Konzern gehen Mitarbeiter der Flugbereiche davon aus, dass in Deutschland eine Zusammenführung von Hapag-Lloyd Flug mit der Billiglinie HLX „eigentlich nur eine Frage der Zeit sein kann“. Konzernweit will Tui in diesem und dem nächsten Jahr Einsparungen im Gesamtvolumen von 360 Mill. Euro erreichen.

Ebenfalls schwierig gestalten sich die Tarifgespräche für rund 350 Mitarbeiter, die in eine neue Tui Vertrieb und Service GmbH wechseln sollen, allerdings zu deutlich niedrigeren Löhnen. Die Beschäftigten stammen aus den Bereichen Logistik, Call-Center und den Flughafenstationen. Ein Tui-Sprecher erklärte am Freitag: „Die Verhandlungen sind nicht einfach. Aber wir sind weiterhin sicher, ans Ziel zu kommen.“ Aus Kreisen der Gewerkschaft Verdi hieß es, Tui laufe Gefahr, mit Dumpingangeboten den Bogen zu überspannen. Ein Arbeitskampf sei nicht völlig auszuschließen.

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