Gewinnrückgang beim Modekonzern
Die riskante Filial-Strategie von Hugo Boss

Der Modekonzern Hugo Boss will noch mehr eigene Läden eröffnen. Bis 2020 soll mindestens 75 Prozent des Umsatzes in den neuen Filialen erzielt werden. Doch wie riskant diese hohen Investitionen sind, zeigt sich jetzt.

Düsseldorf/MetzingenMitte Oktober schreckte Hugo-Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs die Öffentlichkeit mit einer Gewinnwarnung auf. Nun haben Investoren Gewissheit: Schwächere Geschäfte in China und den USA haben dem Modekonzern im dritten Quartal einen Gewinnrückgang eingebrockt. Auch Währungseffekte belasteten, so dass der Überschuss von Juli bis September um 23 Prozent auf 88,5 Millionen Euro zurückging, wie Hugo Boss am Dienstag mitteilte. Der Umsatz wuchs um 4 Prozent auf 744 Millionen Euro.

Ein weiterer Grund für die mauen Zahlen sind die gestiegenen Investitionen in die eigenen Einzelhandelsflächen. Trotz der Belastungen hält Lahrs an seiner Strategie unbeirrt fest, bis 2020 mindestens 75 Prozent des Umsatzes mit eigenen Läden zu erzielen. Und er wird nicht müde zu betonen, dass er eine globale Wachstumsstrategie verfolgt, „die auf umfangreiche Markenkontrolle und den eigenen Einzelhandel ausgerichtet ist“.

Der Boss-Chef will so sicherstellen, dass er vor allem das Geschäft mit den beiden künftigen Wachstumstreibern, der Herren-Luxus-Kollektion „Boss Tailored“ und der Maßkonfektion sowie der Damenkollektion, massiv ausbauen kann. Denn dafür braucht er Läden in guten Innenstadtlagen, um das passende Klientel an Kunden zu erreichen.

Konkurrenten, wie etwa der US-Konzern Ralph Lauren, sind da schon ein Stückchen weiter als Boss. Ursprünglich hielten die Amerikaner einen Mix von 50 Prozent Großhandel und 50 Prozent an eigenen Läden für sinnvoll. Doch diese Strategie erwies sich als falsch. „Heute ist der US-Konzern auch deshalb so erfolgreich, weil er rund 85 Prozent seines Geschäfts mit eigenen Läden erzielt“, wie Sabine Meister von der gleichnamigen Strategieberatung aus München kommentiert.

Auch andere Topmarken, wie etwa der italienische Konzern Prada, setzen massiv auf eigene Läden. Im ersten Halbjahr verkaufte Prada Handtaschen und Schuhe für 248 Millionen Euro über Handelspartner, aber für 1,5 Milliarden Euro in eigenen Shops. Und die Italiener haben angekündigt, dass „Netz an Großhandelspartnern weiter zu rationalisieren“.

Letztlich gibt es für 'High-End'-Marken, die international erfolgreich sein wollen, keine Alternative zu eigenen Läden. Denn auf vielen Auslandsmärkten, wie etwa den USA oder China, gibt es keine renommierten, großen Kaufhäuser nach dem Vorbild deutscher Unternehmen, wie etwa Breuninger oder dem Kaufhaus des Westens (KadeWe).

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Boss-Filialen befinden sich oft auf Luxusmeilen

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