Griechische Airline will mit weniger Mitarbeitern und ohne Schulden unter neuem Namen durchstarten
Letzter Rettungsversuch für Olympic

Diese Woche soll die hoch verschuldete griechische Fluggesellschaft Olympic Airways unter neuem Namen in eine bessere Zukunft starten. Aber der Neubeginn der staatlichen Airline wird von Turbulenzen begleitet.

ATHEN.

Läuft alles nach Plan, wird am Donnerstag um 23.10 Uhr mit dem Flug OA 918 von Athen nach Thessaloniki die 46-jährige Geschichte von Olympic Airways zu Ende gehen. Eineinhalb Stunden später soll Flug OA 325 vom Athener Eleftherios-Venizelos-Flughafen in Richtung Kairo starten. Dann wird OA für Olympic Airlines stehen, eine neue Gesellschaft. Der fliegende Wechsel ist der wohl letzte Versuch, den staatlichen griechischen Carrier vor dem finanziellen Absturz zu retten. Die neue Airline soll mit einem Grundkapital von 140 Mill. Euro schuldenfrei starten. Sie hat nur noch 1 850 Beschäftigten, statt 6 100 der alten Olympic. Die neue Olympic Airlines soll sich ganz aufs Fliegen konzentrieren. Wartung und Bodendienste, das so genannte Handling, verbleiben bei der alten Olympic Airways. Sie behält auch alle Verbindlichkeiten sowie den Großteil des bei Olympic Airlines nicht mehr benötigten Personals – und wird damit dem griechischen Steuerzahler weiter auf der Tasche liegen.

Die 1957 von dem legendären „Tankerkönig“ Aristoteles Onassis gegründete Olympic hat seit ihrer Verstaatlichung 1975 im operativen Geschäft nur Verluste eingeflogen. Vier Sanierungsversuche scheiterten, vor allem weil die jeweiligen Regierungen unpopuläre Entlassungen und Konflikte mit den mächtigen Olympic-Gewerkschaften fürchteten. In den zurückliegenden zehn Jahren dürfte die Fluggesellschaft staatliche Subventionen von rund 3 Mrd. Euro verschlungen haben. Trotz Abschreibung aller Altschulden im Jahr 1994 stand die Gesellschaft Ende 2002 bereits wieder mit 512,2 Mill. Euro in der Kreide. Dass sie überhaupt noch fliegt, ist nur verdeckten staatlichen Subventionen zu verdanken: Olympic schuldet Steuern und Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 273,2 Mill. Euro. Nach Schätzung von Branchenkennern dürfte die Airline im laufenden Jahr weitere 19 Millionen Miese eingeflogen haben.

Zudem stehen hinter dem Sanierungskonzept noch viele Fragezeichen. So ist beispielsweise noch nicht entschieden, ob die EU-Kommision ihm zustimmt. Sie verlangt von Olympic die Rückzahlung von 194 Mill. Euro, die das Unternehmen 1998 unrechtmäßig als Zuschüsse des Staates kassierte. Der Fall liegt inzwischen beim Europäischen Gerichtshof. Jetzt könnten die Steuerschulden für neuen Ärger mit der Kommission sorgen. Doch das sind nicht die einzigen Turbulenzen, die den Start der neuen Airline begleiten. Seit zwei Wochen streiken zahlreiche Olympic-Flugbegleiter gegen die ihnen angebotenen neuen Tarifverträge, die nach Darstellung der Gewerkschaften Gehaltseinbußen von bis zu 15 % bedeuten. Wegen der Streiks mussten in den vergangenen Wochen hunderte Flüge gestrichen und der ursprünglich für den 1. Dezember geplante Start der neuen Airline verschoben werden.

Neuer Starttermin für Olympic Airlines ist nun der 12. Dezember. „Die Gesellschaft wird von Anfang an schwarze Zahlen schreiben“, versichert der sozialistische griechische Verkehrsminister Christos Verelis. Die Personalkosten werden nach seinen Angaben um 45 % unter denen von Olympic Airways liegen. Nächster Schritt soll der Teilverkauf des Unternehmens sein. Nachdem in der Vergangenheit bereits drei Privatisierungs-Anläufe gescheitert sind, fand die jüngste Ausschreibung aber keine große Resonanz. Nach Informationen aus Athener Finanzkreisen verhandelt die Regierung nur noch mit einem von ursprünglich fünf Interessenten, Golden Aviation. Hinter dem Namen verbirgt sich der griechische Reeder Stamatis Restis. Der Einstieg eines privaten Investors dürfte darüber entscheiden, ob die neue Gesellschaft überhaupt flügge bleibt. Die Airline benötigt nach Schätzung von Branchenkennern in nächster Zukunft eine Finanzspritze von mindestens 150 Mill. Euro.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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