Guide Michelin
Frankreich leidet - sogar in der Gastronomie

Als hätten es die Franzosen nicht schon schwer genug, ereilt sie nun ein neuer Schicksalsschlag: Freitag verliert die Grande Nation ihre führende Rolle in der Gastronomie. Notizen aus einem krisengeschüttelten Land.

ParisQuelle Tristesse! Die Franzosen haben es derzeit wirklich schwer. Das Toprating des Landes ist in Gefahr, seine Großbanken BNP Paribas, Société Générale und Crédit Agricole stecken in Schwierigkeiten, dem französisch-belgischen Staatsfinanzierer Dexia muss der Staat Frankreich mit 33 Milliarden Euro zur Hilfe kommen - und kann damit nicht mehr bewirken, als die Zerschlagung zu ermöglichen.

Das ist noch lange nicht alles: Die französische Wirtschaft fällt im weltweiten Wettbewerb ständig weiter zurück. Ihr Anteil an den weltweiten Exporten ist innerhalb eines Jahrzehnts um ein ganzes Viertel geschrumpft. Das kann schon aufs Gemüt schlagen. So ist es kein Wunder, dass Globalisierungskritiker Arnaud Montebourg in der ersten Runde der Präsidentschaftsvorwahlen bei den Sozialisten jüngst beachtliche 17 Prozent der Stimmen auf sich vereinigte - weit mehr, als ihm vorher zugetraut worden war.

Der Niedergang der Grande Nation nagt derart am Selbstvertrauen, dass ein kollektiver Minderwertigkeitskomplex zu diagnostizieren ist. Die angesehene Zeitung "Le Figaro" beklagte, dass Franzosen inzwischen alles vergötterten, was aus Deutschland komme - vom Autobauer BMW bis zu zeitgenössischen Künstlern. Bezeichnend, dass ausgerechnet die Kunstmetropole Paris in diesem Herbst zeigt, was in der deutschen Szene Rang und Namen hat - die Werke von Baselitz, Lüpertz und Richter.

Paris lockt indes nicht nur Kunstbegeisterte, sondern ist auch das Mekka der Gourmets. Alleine an der Spitze ist Frankreichs Hauptstadt für Feinschmecker allerdings auch nicht mehr: Während an der Seine zehn Restaurants zu finden sind, die vom prestigeträchtigen Gastronomieführer Guide Michelin mit der begehrten Drei-Sterne-Auszeichnung dekoriert sind, gibt es derer in Tokio mittlerweile 14. Immerhin: Zusammen ist das fast ein Viertel der weltweit 101 Toprestaurants des Michelins.

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Michelin-Führer sorgt für blankes Entsetzen

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