Handelsblatt-Gespräch mit Frans Koffrie, Vorstandschef von Buhrmann
Buhrmann will in Europa zukaufen

Frans Koffrie, Vorstandschef des mit einem Umsatz von 10 Mrd. Euro weltgrößten Büroeinrichters Buhr-mann N.V., will den Papiergroßhandel für 746 Mill. Euro an PaperlinX verkaufen. Dadurch kann der Amsterdamer Konzern die Schulden auf unter eine Milliarde Euro drücken.

BRÜSSEL. Trotz der Weltwirtschaftskrise, die den Konzern 2002 in die roten Zahlen trieb, sieht Koffrie schon weiter: Sobald der Markt und die derzeit konjunkturbedingt schwachen Ergebnisse anziehen, will er seine europäische Position beim Büroartikelgroßhandel durch Akquisitionen in Spanien, der Schweiz und Skandinavien stärken. Frans Koffrie stellte sich den Fragen des Handelsblatts:

Handelsblatt: Infolge des Verkaufs der Papiersparte entsteht trotz des guten Preises für die Sparte Papiergroßhandel ein Buchverlust von 120 Mill. Euro. Warum?

Frans Koffrie: Der Preis entspricht vor Steuern etwa dem Buchwert der Sparte. In einigen Ländern aber entsteht ein Buchgewinn, für den wir Steuern zahlen müssen. Buchverluste in anderen Ländern zählen nicht. Zwei-ens entstehen im Zusammenhang mit der Schuldensenkung einmalige Kosten.

Wie wollen Sie den Schuldenberg weiter abbauen? Bis auf welches Niveau und bis wann?

Bei einem wiederbelebten Markt wird sich das Verhältnis von Schulden und Betriebsergebnis von alleine verbessern, so dass die Schuld relativ gesehen nicht mehr so hoch ist. Zudem werden wir in diesem und nächstem Jahr freien Cash flow erwirtschaften, den wir auch zur Tilgung verwenden. Absolute und zeitliche Zielvorgaben haben wir nicht.

Sie könnten auch die Graphik-Sparte verkaufen.

Wir haben keine Pläne, die Graphik-Sparte zu veräußern. Sie machte zwar im ersten Quartal Verlust, aber wird dieses Jahr den Break-even erreichen. Überdies erwarten wir, dass sie über den Konjunkturzyklus hinweg eine überdurchschnittliche Gewinnmarge im Vergleich zu den anderen Buhrmann-Aktivitäten erzielt.

Trotz der Konjunkturflaute denken Sie bereits an künftige Akquisitionen in besseren Zeiten. Müssen Sie nicht erst die Verschuldung noch wesentlich stärker drücken, um bei Büroartikeln zukaufen zu können?

Wichtig ist das Verhältnis zwischen Betriebsergebnis und Verschuldung. Das wird bei besserer Marktlage stets günstiger und ermöglicht dann Akquisitionen. Das kann allerdings zwei Jahre dauern. Sobald aber Umsätze und Gewinne wieder zunehmen, werden wir unsere Position in Europa durch Akquisitionen verstärken.

Sie wollen ein geographisches Gleichgewicht zwischen den USA und Europa herstellen. Wie sähe das für Sie aus – 50:50?

Wir haben kein Ideal-Verhältnis. Der europäische Anteil wird zunehmen, weil wir hier zukaufen werden. Denn unsere Position ist bei Büroprodukten in Europa noch nicht stark genug. In einigen Ländern sind wir gar nicht vertreten. Überdies können wir unsere Gewinnmarge in Europa erhöhen, wenn wir durch mehr Größe Kostenvorteile nutzen können.

In welche Länder wollen Sie expandieren?

Spanien, die Schweiz und skandinavische Länder.

Angesichts des vor Sonderposten und Goodwill-Abschreibungen drastisch um 80 % auf 5 Mill. Euro eingebrochenen Gewinns im ersten Quartal stehen in diesem wie schon im vergangenen Jahr Kostensenkungen ebenfalls ganz oben. Wie stark wollen Sie die Kosten senken?

Das Sparprogramm, bei dem 1 100 Stellen gestrichen werden, kommt gut voran. Auch bei allen anderen Posten versuchen wir Kosten zu verringern. Am Jahresende müssen die Kosten niedriger sein als im vergangenen Jahr.

Um wie viel?

Wir machen keine Vorgabe.

Nach fünf Gewinnwarnungen in den vergangenen zwei Jahren nennen Sie nun weder für die Schuldentilgung noch für die Kostensenkung, das Cash flow-Niveau oder das Ergebnis konkrete Ziele oder Erwartungen. An was wollen Sie sich denn messen lassen?

Ich will Wert schaffen, das heißt eine Kapitalrendite erzielen, die über den Kapitalkosten liegt. In normalen wirtschaftlichen Zeiten soll die Kapitalrendite vor Steuern demnach mehr als 12 % betragen.

Das Gespräch führte Susanne Bergius, Handelsblatt.

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