Handelskonzerne
Arcandor stellt Insolvenzantrag

Der Handelskonzern Arcandor hat Insolvenzantrag gestellt. Der Vorstand verzichtet darauf, seinen Antrag auf einen staatlichen Notkredit nachzubessern. Nun zeichnen sich erste Folgen ab: Bertelsmann etwa droht der Verlust von Druckaufträgen für die Quelle-Kataloge in zweistelligen Millionenbereich. Unterdessen droht Arcandor-Chef Eick ein juristisches Nachspiel.

hps/rüd/HB ESSEN. Einer der traditionsreichsten deutschen Handelskonzerne ist pleite: Der Essener Arcandor-Konzern mit seinen Tochterunternehmen Karstadt und Quelle musste am Dienstag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag stellen. Der Verkauf in den Warenhäuser und per Katalog soll aber uneingeschränkt weitergehen, wie das Unternehmen mitteilte.

Konzernchef Karl-Gerhard Eick bezeichnete den Insolvenzantrag als „Chance“. „Wir stecken auch jetzt den Kopf nicht in den Sand“, sagte er am späten Nachmittag in Essen. Das Unternehmen werde sein Umstrukturierungs- und Sanierungskonzept nun unter Zuhilfenahme des Insolvenzrechts weiter vorantreiben, kündigte der Konzernchef an. Dabei werde ein Antrag auf eine sogenannte Planinsolvenz in Eigenverantwortung unter der Regie des Düsseldorfer Insolvenzexperten Horst Piepenburg als Generalbevollmächtigten gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hatte das Essener Amtsgericht zuvor den Kölner Rechtsanwalt Klaus Hubert Görg ernannt. Eick zeigte sich überzeugt, dass die Umsetzung des Restrukturierungsplans nun unter Zuhilfenahme des Insolvenzrechts sogar beschleunigt werden könne.

Die Insolvenz im 128. Jahr der Firmengeschichte trifft rund 43 000 Mitarbeiter in ganz Deutschland. Unberührt von dem Arcandor-Zusammenbruch sind den Angaben zufolge die Reisetochter Thomas Cook, die Primondo-Spezialversender mit ihren Tochter- und eteiligungsgesellschaften sowie der Homeshopping-Sender HSE 24.

Die Insolvenz von Arcandor und des Fürther Versandhändlers Quelle belastet auch Bertelsmann schwer (mehr dazu im Blog „Mediawatcher“). Europas größten Medienkonzern droht der Verlust von Druckaufträgen in zweistelliger Millionenhöhe. Kurzarbeit steht in der Nürnberger Tiefdruckerei der Bertelsmann-Tochter Prinovis offenbar unmittelbar bevor. Das berichtet ein langjähriger Unternehmensinsider in Nürnberg. Ein Prinovis-Sprecher sagt auf Anfrage nur, dass sich der Umsatzanteil der Quelle- bzw. Primondo-Aufträgeam Gesamtumsatz des Tiefdruckkonzerns im „kleinen einstelligen Prozentbereich“ bewege. Genauere Angaben machte er nicht.

Die Bertelsmann-Tochter druckt seit Jahrzehnten die Kataloge des Fürther Versandhändlers Quelle und einer Reihe von Spezialversendern. Bei Prinovis arbeiten allein am Standort Nürnberg rund 1100 Beschäftigte. Die Insolvenz von Quelle verschärft die Krise nun bei Prinovis. Europas größter Tiefdruckkonzern leidet unter massiven Überkapazitäten und anhaltenden Preisverfall. In der Vergangenenheit hatte bereits der frühere Arcandor-Chef und Druckexperte Thomas Middelhoff niedrigere Preis beim Katalogdruck durchgesetzt, wie Unternehmeninsider berichten.

Die Arcandor-Tochter Thomas Cook sieht sich derweil von der Pleite ihres Mutterkonzerns nicht betroffen. „Es hat sich nichts verändert, und es wird sich nichts verändern“, sagte Thomas-Cook-Chef Manny Fontenla-Novoa. Bei Europas zweitgrößtem Reisekonzern (Neckermann Reisen, Bucher Last Minute) gehe das Geschäft ganz normal weiter. Das Management betonte in einer Mitteilung erneut, Thomas Cook sei eine eigenständige Firma mit unabhängigen Finanzen. Arcandor ist mit 52,8 Prozent an Thomas Cook beteiligt. Der drittgrößte deutsche Reiseveranstalter Rewe hatte bereits Interesse bekundet, die Thomas-Cook-Anteile von Arcandor zu übernehmen. Thomas Cook will nach der Arcandor-Insolvenz rasch Verhandlungen mit jenen Banken aufnehmen, die Cook-Aktien als Pfand halten.

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