Handelsverband BAG: Umsatz auf Vorjahresniveau wäre schon ein Erfolg
Einzelhandel geht ohne Euphorie ins Weihnachtsgeschäft

In das Jahr 2003 ging der Einzelhandel noch mit einem leichten Hoffnungsschimmer. Inzwischen wurde er von der Realität eingeholt. Die Umsatzentwicklung liegt unter Vorjahresniveau. Impulse für eine Belebung fehlen.

DÜSSELDORF. Für das Weihnachtsgeschäft 2003 ist Walter Deuss, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels (BAG) in Berlin, nicht optimistisch: „Ich glaube nicht, dass es besonders gut läuft. Es wäre schon ein Erfolg, wenn der Einzelhandel das Umsatzniveau des Vorjahres erreichen würde“, stellt der ehemalige Karstadt-Chef in seiner Vorausschau fest. Hinzu komme, dass viele Unternehmen das Weihnachtsgeld gestrichen hätten. Im Weihnachtsgeschäft 2002 setzte die Branche Waren im Wert von etwa 9 bis 10 Mrd. Euro um. Aus Deuss Sicht fehlen derzeit wichtige Impulse für die Belebung des privaten Konsums. Das spiegelt auch der Beginn des wichtigen vierten Quartals wider. Viele Handelskonzerne erzielen im Weihnachtsgeschäft einen wesentlichen Teil ihres Gewinns. „Der Oktober war kein guter Monat,“ berichtet der BAG-Präsident in einem Pressegespräch. Und auch der November sei nicht gut gestartet.

Aufgelaufen bis Ende September steht laut BAG ein Erlösrückgang von nominal und real minus 0,8 Prozent in den Büchern des deutschen Einzelhandels. Allerdings: Im gleichen Zeitraum des Vorjahres summierte sich das Minus bereits auf nominal minus 1,6 und real minus 2,3 Prozent. Gleichwohl hatte die BAG, - ihr gehören Unternehmen wie Karstadt-Quelle, Otto Versand, C & A oder Peek &Cloppenburg an - zu Jahresbeginn noch mit einer leichten Entspannung gerechnet und in Optimismus gemacht. „Wir haben tatsächlich geglaubt, es würde etwas besser ausfallen“, erinnert sich Deuss. Nun prognostiziert die Arbeitsgemeinschaft für 2003 einen Umsatzrückgang von einem Prozent. Diese Einschätzung teilt der Schwesterverband HDE (Hauptverband des Deutschen Einzelhandels). Für 2004 erwartet Deuss Stagnation - trotz Steuerreform.

Beim heftig diskutierten Thema „vorgezogene Steuerreform“ geht der BAG-Präsident mehr oder weniger konform mit dem Sachverständigenrat. „Die Reform wird nicht den Effekt bringen, den man sich davon erwartet“, so Deuss, „weil die Bundesbürger auf der anderen Seite mit weiteren Belastungen rechnen.“ Nach Schätzung des Sachverständigenrats werden die Verbraucher um etwa 15,6 Mrd. Euro entlastet. Dennoch, so Deuss eindringlich an die streitenden Partein in Berlin, müssten die Steuern gesenkt werden, sonst wäre das eine Riesenenttäuschung für die Menschen. So argumentiert auch der Sachverständigenrat trotz seiner grundsätzlichen Bedenken: Das ständige Hin und Her in der Steuerpolitik müsse endlich ein Ende haben, damit das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Politik nicht völlig beschädigt werde.

Der langjährige Karstadt-Manager Deuss muss schon weit zurückblicken, um eine ähnlich düstere Stimmung unter den Konsumenten zu finden. Während der ersten Ölkrise 1972/73 sei die Stimmung ähnlich schlecht gewesen, erinnert sich der BAG-Präsident. Allerdings habe das Stimmungstief nicht so lange gedauert, wie dieses Mal. Deuss macht unter anderem den tiefgreifenden Wertewandel in Deutschland, die Rückbesinnung von kommerziellen auf bodenständigere Werte, für die Kaufzurückhaltung verantwortlich.

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